29.10.2013, 14:53 Uhr

Blackout: Ständige Panikmache der Stromversorger schadet der Glaubwürdigkeit

Münster – Deutsche Stromversorger warnen seit dem Atomausstieg regelmäßig vor Blackouts, weil die Erzeugungskapazitäten hierzulande nicht ausreichen. Auch für dieses Jahr rechneten E.ON und RWE mit Engpässen in der Stromversorgung. Doch der angekündigte Blackout trat bislang nicht ein. Im Gegenteil: Durch die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist die Stromproduktion sogar gestiegen und der Stromexport steuert auf einen neuen Rekordwert zu.

Wie so häufig werden die Erneuerbaren für hausgemachte Probleme verantwortlich gemacht. Große Konzerne haben jahrelang weiter auf klimaschädliche Stromerzeugung aus Gas und Kohle gesetzt. Doch durch die bevorzugte Einspeisung von Strom aus Windkraft und Photovoltaik werden die alten Kraftwerke zunehmend unrentabel und müssen immer häufiger vom Netz genommen werden. Viele Kraftwerke sollen ganz abgeschaltet werden. Wie RWE gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte, sollen nach bisherigen Plänen konventionelle Kraftwerke mit einer Leistung von 3.100 Megawatt (MW) vom Netz genommen werden.

Stromkonzerne warnen aus strategischen Gründen

Die unter Kostendruck stehenden Konzerne betreiben mit den beharrlich vorgetragenen Warnungen vor Blackouts aber ein gefährliches Spiel, unter dem die eigene Glaubwürdigkeit zunehmend leidet. Schon 2008 warnten sie vor einem kurz bevorstehenden Stromengpass. Diese Behauptung wurde durch eine Studie der Deutschen Energie Agentur (Dena) gestützt: Ab 2012 sollten nicht mehr genug Kapazitäten zur Deckung des Strombedarfs zur Verfügung stehen. Ab 2015 sollte die Deckungslücke etwa 2.800 MW betragen und bis 2020 auf 12.000 MW anwachsen. Dies entspräche der Kapazität von 15 Großkraftwerken. Diese Aussagen wurden seitdem aber durch eine Vielzahl von Studien und dem Regierungsbericht zur Versorgungssicherheit widerlegt. Tatsächlich wurde im Jahr 2012 sogar so viel Strom exportiert wie nie zuvor. Von einem Stromengpass kann also derzeit keine Rede sein. Umweltschützer kritisierten die Stromlücken-Debatte zudem als von den Stromkonzernen inszeniert, um den Bau von klimaschädlichen Kraftwerken den Boden zu bereiten.

Riskantes Taktieren: Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Die aktuellen Warnungen der Stromkonzerne zum kurz bevorstehenden Blackout erreicht die Medien vor dem Hintergrund der laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD, in denen auch die Energiewende eines der zentralen Themen ist. Die Wirkung bleibt nicht aus. NRW-Ministerpräsidentin Kraft hat sich bereits schützend vor die Stromindustrie gestellt: Die Energiewende dürfe nicht zum Abbau von Arbeitsplätzen führen.

Ein Glaubwürdigkeitsverlust aufgrund des immer wiederkehrenden Hinweises auf die angebliche Blackout-Gefahr, welche sich dann aber nicht bewahrheitet, wäre fatal: Sollte tatsächlich ein Blackout drohen, würde eine erneute Warnung durch die Stromkonzerne wohl ins Leere laufen.

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