03.04.2013, 09:33 Uhr

Emissionshandel: CO2-Ausstoß 2012 leicht gestiegen

Dessau-Roßlau - Die CO2-Emissionen der 1.627 emissionshandelspflichtigen Energie- und Industrieanlagen in Deutschland liegen im Jahr 2012 knapp über dem Niveau des Vorjahres. Sie belaufen sich auf 452,4 Mio. Tonnen Kohlendioxid. 2011 betrug der Ausstoß 450,3 Mio. Tonnen. Auffällig ist eine unterschiedliche Entwicklung in der Kohle- und Erdgasverarbeitung. Während im Energiesektor die Kohlendioxidemissionen aus der Verbrennung von Braunkohle (plus vier Prozent) und Steinkohle (plus vier Prozent) stiegen, sanken die Emissionen aus Erdgas deutlich um acht Prozent. Da Erdgas weniger klimaschädlich ist als Kohle, stecken in einer stärkeren Nutzung von Gaskraftwerken große CO2-Einsparpotenziale. Bei den energieintensiven Industrieanlagen gehen die Emissionen um rund drei Prozent zurück.

Anreize für klimaschonende Kraftwerke schaffen

Insgesamt liegen die CO2-Emissionen von 452,4 Mio. Tonnen erneut auf Höhe der jährlichen deutschen Emissionsobergrenze (Cap) der zweiten Handelsperiode. Diese liegt bei 451,8 Mio. Tonnen. "Die Emissionszahlen 2012 überbringen eine gute und eine schlechte Nachricht: Das deutsche Cap wird nahezu eingehalten – auch dank des Rückgangs bei den energieintensiven Industrieanlagen – aber große Einsparpotenziale bleiben bislang ungenutzt. Das zeigt: Der Emissionshandel kann mehr, er muss jedoch in seiner Wirkung entsprechend gestärkt werden. Denn nur so können Anreize geschaffen werden, klimaschonende Kraftwerke zu nutzen und in neue Technologien zu investieren", sagt Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamt.

"Die aktuellen Wettbewerbsnachteile von hocheffizienten Gaskraftwerken gegenüber der preisgünstigeren Kohleverstromung spiegeln sich deutlich in den CO2-Emissionen 2012 wider. Auf dem Weg zu ambitionierten Treibhausgas-Minderungszielen bis 2050 sind wir auf die effizienten Gaskraftwerke angewiesen. Ihre Verdrängung als Folge der aktuellen Marktsituation wäre daher fatal und würde die Kosten der angestrebten CO2-Minderung mittelfristig erheblich erhöhen", so Flasbarth.

Emissionszertifikate vom Markt nehmen

Die Europäische Kommission hat im Herbst 2012 vorgeschlagen, 900 Mio. Emissionszertifikate vom Markt zu nehmen, um den Emissionshandel als Klimaschutzinstrument zu stärken. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments stimmte dem Vorschlag der Kommission Mitte Februar 2013 zu. Entscheiden müssen letztlich EU-Rat und -Parlament.

Bis Ende April 2013 haben die Anlagenbetreiber Zeit, die entsprechende Zahl an Zertifikaten zum Ausgleich ihrer tatsächlichen Emissionen abzugeben. Die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) prüft derzeit die Emissionsberichte 2012 und wird die ausführliche Auswertung und Aufschlüsselung der Ergebnisse voraussichtlich Mitte Mai 2013 veröffentlichen.

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