03.07.2014, 10:27 Uhr

Folgen der Energiepolitik: juwi streicht Arbeitsplätze

Wörrstadt – juwi, das einstige Vorzeigeunternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien, leidet unter der jüngsten Energiedebatte und hat eine radikale Restrukturierung angekündigt. Der Projektierer, der lange Zeit auch gegen Trend immer weiter expandierte, muss nun nicht zuletzt aufgrund der Diskussion um die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mehr als jede vierte Stelle streichen.

Wie der Projektierer mit Hauptsitz in Wörrstadt (Rheinland-Pfalz) sich ausdrückt, will der Vorstand das Unternehmen auf die sich abzeichnenden Veränderungen auf den Energiemärkten vorbereiten und zukunftssicher aufstellen. Das bedeutet vor allem die Fokussierung auf das Kerngeschäft und geht mit dem Abbau von 250 Stellen in Deutschland und etwa 150 Stellen im Ausland einher. Insgesamt beschäftigte das Unternehmen zuletzt etwa 1.500 Mitarbeiter.

Umsatz bricht ein

juwi hatte seine Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2013 immer weiter verschoben. Nun wird klar, warum: 2013 sei es nicht gelungen, das Umsatzvolumen des Vorjahres zu wiederholen, da der Zusammenbruch des deutschen Solarmarktes im Segment Großanlagen nur teilweise durch mehr Windenergie und mehr Auslandsgeschäft kompensiert werden konnte. Bei einem vor der Berücksichtigung von Sondereffekten – im Wesentlichen die Abwertungen von Bioenergie-Anlagen – leicht positiven operativen Ergebnis lag der Umsatz in 2013 bei rund 710 Mio. Euro. Gegenüber dem Jahr 2012 ist das ein Rückgang von knapp 30 Prozent.

Energiepolitik zwingt zu alternativlosen Maßnahmen

Die beiden Gründer und Vorstände Fred Jung und Matthias Willenbacher erklärten: „Wir müssen erkennen, dass auf vielen unserer Kernmärkte die Einsicht in die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen an Bedeutung stark abgenommen hat.“ Die juwi-Gruppe will sich künftig auf die beiden Bereiche Projektentwicklung und Betriebsführung konzentrieren und intensiviert die bereits seit 2012 eingeschlagene Neuausrichtung des Unternehmens.

„Ein robustes und zukunftssicheres Geschäftsmodell ist im aktuellen Umfeld nur mit drastischen Weichenstellungen zu erreichen. So schmerzhaft die jetzigen Maßnahmen auch sind: Wir haben angesichts der widrigen Umstände keine Alternative“, so Willenbacher und Jung.

Wie juwi weiter darlegt, werde zum Beispiel die nun weitgehend beschlossene EEG-Novelle den Ausbau der erneuerbaren Energien entgegen der klimapolitischen Notwendigkeit eben gerade nicht beschleunigen. Der Bioenergie-Ausbau wird nahezu zum Erliegen kommen, und die sogenannte Stichtagsregelung für Windenergie-Projekte hat dem Markt vorübergehend das Vertrauen entzogen.

Maßnahmenpaket mit Roland Berger: Streichung von Stellen und Bereichen

Zusammen mit Roland Berger wurde ein Maßnahmenpaket beschlossen, dass die Streichung von insgesamt 400 Stellen beinhaltet. Zudem soll eine zeitnahe Schließung oder Reduzierung einiger Auslandsaktivitäten, vor allem in Europa, aber auch in Amerika geprüft und gegebenenfalls umgesetzt werden. Weitere „Non-Core“-Geschäftsfeldern sollen zeitnah ausgegliedert werden: Dazu zählen unter anderem Windenergieanlagen-Türme, Unterkonstruktionen für Solaranlagen sowie das Vertriebsgeschäft mit juwi-Strom. juwi will zudem einen Investor finden, um die Eigenkapitalquote zu stärken. Bestehende Kreditverträge sollen an die neue Geschäftsplanung angepasst werden.

Vorstand verändert sich: Magerfleisch hört auf

Weiterhin haben die Eigentümer in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat der juwi-Gruppe beschlossen, den Vorstand neu zu besetzen. Zum einen wird ein neuer Vorstand mit den Schwerpunkten Restrukturierung und Finanzierung berufen. Dr. Stefan Gros (50) wird sein Amt als CFO und CRO antreten. Der gelernte Bankkaufmann und Wirtschaftswissenschaftler verfügt über langjährige Management- und Restrukturierungserfahrung als CFO und CRO deutscher und internationaler Unternehmen. Des Weiteren wird Stephan Hansen (47) in Kürze zum Chief Operational Officer (COO) berufen. Hansen ist seit Anfang des Jahres Geschäftsführer der juwi International GmbH und bringt eine umfangreiche, fast zwanzigjährige Erfahrung aus dem Bereich internationales Projektgeschäft mit. Der bisherige Finanzchef Martin Winter und der bisherige Organisationsvorstand Jochen Magerfleisch sind zum 30. Juni aus dem Unternehmen ausgeschieden. Magerfleich hatte seine Position seit 2010 inne. Winter war erst im Juli 2012 zu juwi gekommen.

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