28.01.2015, 15:10 Uhr

Photovoltaik-Ausschreibungen: Droht das Ende der Solarindustrie in Deutschland?

Münster - Photovoltaik-Ausschreibungen sollen zu mehr Wettbewerb und geringeren Kosten bei der Solarenergie führen. Das Bundeskabinett hat heute dazu eine von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vorgelegte Verordnung beschlossen. Doch das Verfahren könnte sich auch als großer Flop herausstellen.

Das Bundeskabinett hat heute die Verordnung zur Einführung von Ausschreibungen für die finanzielle Förderung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen beschlossen. Ausschreibende Stelle ist die Bundesnetzagentur. Sie wird jeweils drei Ausschreibungsrunden in den Jahren 2015, 2016 und 2017 durchführen. Es sollen jährlich Freiflächenanlagen in einem Umfang von durchschnittlich 400 Megawatt (MW) realisiert werden.

Deutscher Photovoltaik-Markt seit 2012 bereits um 75 Prozent eingebrochen

Die Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die monatlich sinkenden Vergütungssätze für Photovoltaik(PV)-Strom haben bereits ihre Wirkung entfaltet und zu einem drastischen Markteinbruch in Deutschland geführt. Wurden im Jahr 2012 noch 7.600 MW PV-Leistung zugebaut, ist der Solarmarkt auf zuletzt rund 2.000 MW (2014) und damit innerhalb von nur zwei Jahren um rund 75 Prozent geschrumpft. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Arbeitspläzte in der Solarbranche.

PV-Markteinbruch: Preisuntergrenze für PV-Vergütung bald auch ohne Ausschreibung erreicht

Der starke Rückgang der PV-Zubauwerte hält in Folge der monatlichen Absenkung der PV-Vergütungssätze unvermindert an. Aktuell werden nur noch rd. 100 MW PV-Leistung pro Monat in Deutschland neu errichtet. Das lässt erkennen, dass die Untergrenze für die PV-Vergütungshöhe, ab der kein nennenswerter PV-Zubau mehr in Deutschland erfolgt, auch ohne Ausschreibungsverfahren bald erreicht ist. Ob die vom BMWi vorgesehenen Photovoltaik-Ausschreibungen zu dann noch nennenswert günstigeren Vergütungssätzen für den Solarstrom führen werden, bleibt die bislang unbeantwortete Frage.

PV-Ausschreibung: Hoher bürokratischer Aufwand, geringer Kostensenkungseffekt und Ende der Solarindustrie?

Die Vergütungssätze für den Photovoltaik-Strom sind in Deutschland bereits auf einem Niveau angelangt, auf dem immer weniger PV-Neuanlagen errichtet werden. Solarexperten prognostizieren einen unverhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand, den Einstieg in eine Planwirtschaft mit im Verhältnis zum Aufwand geringer Kosteneffizienz und einen erheblichen Schaden für die deutsche Solarindustrie. Ob Zufall oder nicht: Nachdem erst am 21.01.2015 Hanwha Q-Cells das Ende der PV-Zell- und Modulproduktion sowie den Abbau von über 550 Arbeitsplätzen in Deutschland angekündigt hat, folgt nun der Wechselrichterspezialist SMA mit einem Abbau von 1.300 Arbeitsplätzen am Solarstandort Deutschland.

Quelle: IWR Online
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