18.11.2013, 11:45 Uhr

RWE und E.ON haben Großteil des Kohlestroms bis 2015 schon verkauft

Münster – Die beiden großen Stromversorger RWE und E.ON haben den Großteil der Stromproduktion aus ihren Kraftwerken für die nächsten Jahre schon längst verkauft. Das trifft insbesondere auch für den Kohlestrom zu.

Auch wenn die Stromversorger in der Öffentlichkeit über die schwache Auslastung der Kraftwerke klagen. Tatsächlich haben die Versorger teilweise bis zu 100 Prozent der erwarteten Stromproduktion bereits jetzt zu festgelegten Preisen im Voraus und auf Termin verkauft. Von hohem Planungsrisiko durch die zunehmende Einspeisung von Strom aus regenerativen Energiequellen ist dabei wenig zu spüren.

Deutsche E.ON-Stromproduktion bis 2015 zu 100 Prozent ausverkauft

So hat E.ON in der Region „Central Europe“ für die Jahre 2013, 2014 und 2015 die zu erwartende Stromerzeugung bereits vollständig verkauft. Das geht aus der 9-Monats-Quartalspräsentation des Düsseldorfer Versorgers hervor. Die Verkäufe betreffen in erster Linie Kohlestrom, der in Zentraleuropa, also insbesondere in Deutschland erzeugt wird. Unter dem Stichwort Hedging wird der voraussichtlich produzierte Strom zu festgelegten Preisen, die im Jahresmittel von 5,9 Cent/kWh (2013) auf 4,5 Cent/kWh (2015) sinken. In der Region "Nordic" ist der Anteil des bereits verkauften Strom etwas geringer. Beispielsweise liegt er für das Jahr 2015 zwischen 60 und 70 Prozent des insgesamt erwarteten Stromaufkommens. Das liegt einem Unternehmenssprecher zufolge auch an der Tatsache, dass der dort u.a. produzierte Wasserkraft-Strom in seiner Menge wesentlich schlechter prognostizierbar ist. Zudem sind die mittleren Preise mit 4,4 Cent/kWh (2013) bis 3,8 Cent/kWh (2015) in der "Nordic"-Region deutlich geringer.

RWE-Konzern hat 80 Prozent des 2014 erzeugten Stroms abgesetzt

Auch RWE hat in seinem Quartalsbericht erklärt, die Erzeugung der größten Kraftwerke auf Termin zu verkaufen, um kurzfristige Absatz- und Preisrisiken zu begrenzen. Die benötigten Brennstoffe und Emissionsrechte werden dabei preislich abgesichert. Wie das Norwegische Energiemarkt-Analysehaus Montel berichtet, hat RWE bis zu 50 Prozent der erwarteten Stromproduktion für 2015 bereits verkauft. Dies beinhaltet 50 Prozent der deutschen Atom- und Braunkohle-Kraftwerkskapazität sowie 30 Prozent der Steinkohle- und Gas-Erzeugungskapazitäten in Großbritannien, den Niederlanden und Belgien. Für das Jahr 2014 seien etwa 80 Prozent der Kapazitäten in sämtlichen Ländern verkauft. Für das laufende Jahr 2013 liege der Anteil bei 90 Prozent. Aktuelle mittlere Preise wurden nicht genannt.

Laufen konventionelle Kraftwerke wegen Ökostrom doch nicht weniger?

Es klingt für die Öffentlicheit so einleuchtend: weil immer mehr Ökostrom in Deutschland auf den Markt kommt, laufen die Kraftwerke immer weniger, müssen stillgelegt werden. Vor allem die Chefs der großen Energieversorger beklagen die zu geringe Auslastung ihrer Kraftwerke wegen des Stroms aus regenerativen Energiequellen. Tatsächlich haben die Energieversorger den Strom aus den konventionellen Kraftwerken schon weit im Voraus und auf Termin verkauft, E.ON sogar seine Kraftwerke zu 100 Prozent bis einschließlich 2015.

Erneuerbare bei E.ON und EnBW: Ergebnis-Stütze oder Bremse?


© IWR, 2013