17.04.2012, 13:34 Uhr

Schleppender Strom-Netzausbau: Wie die Öffentlichkeit getäuscht wird

Münster – Die Botschaft ist immer dieselbe: Die Energiewende ist in Gefahr, denn der schnelle Ausbau von Wind- und Solarenergie strapaziert die Netze und der Bau von neuen Stromtrassen verläuft wegen der Bürgerproteste nur schleppend.

Auch das Handelsblatt berichtete jüngst wieder in einem Artikel "Stromnetzbetreiber im Stress" über ein solches Beispiel. Auffällig ist jedoch, dass die in unterschiedlichen Medien erscheinenden Berichte sich ähneln und immer demselben Muster bzw. Drehbuch zu folgen scheinen: Als Ausgangspunkt und im Sinne der Schuldzuweisung erfolgt zunächst die ausführliche Beschreibung der witterungsbedingten Situation einer vermeintlich hohen Wind- bzw. Solarstromeinspeisung. Dazu kommt ein nur kurz genannter, nicht näher erläuterter technischer Defekt, beispielsweise wie hier in einem Umspannwerk, für den der verantwortliche Netzbetreiber offensichtlich rein gar nichts kann. Garniert wird das Problem mit dem schleppenden Ausbau der Stromtrassen, in diesem Fall die noch fehlende Ost-West-Verbindung im Norden von Krümmel, nahe Hamburg, und Schwerin. Die Geschichte lässt sich so wie im Handelsblatt beschrieben, aber auch ganz anders darstellen:

Ausgangspunkt: Technische Panne im Umspannwerk Helmstedt

Fakt ist, dass eine technische Panne im Umspannwerk Helmstedt die Ursache und der Auslöser dafür war, dass die Höchstspannungsleitung zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zeitweilig abgeschaltet werden musste. Erst in Folge der Panne müssen Netzeingriffe wie das Abschalten von Windparks vorgenommen werden. Wie es zu dem Ausfall kam, welcher Defekt aufgetreten ist und was genau passiert ist, wird verschwiegen. Ein Grund für den Ausfall des Umspannwerks könnte auch beispielsweise darin zu suchen sein, dass die Wartungsintervalle in den Umspannwerken verlängert oder der Wartungsumfang verkürzt wurde, um schlicht Kosten zu sparen. Es ist bekannt, dass die Netzbetreiber mit den Stromnetz-Renditen unzufrieden sind und immer wieder eine höhere Verzinsung bei der Bundesnetzagentur durchsetzen wollen.

Netzausbau: Warum die Ost-West-Stromtrasse im Norden seit 20 Jahren nicht fertig wird

In der Öffentlichkeit entsteht im Zusammenhang mit der Energiewende immer wieder der Eindruck, dass der notwendige Netzausbau nur schleppend verläuft und vor allem Bürgerproteste einen schnelleren Ausbau verhindern. Schaut man sich die Hintergründe der im Norden zwischen dem AKW Krümmel und Schwerin im Bau befindlichen vierten Ost-West-Verbindung genauer an, so ist der Grund für den fehlenden Lückenschluss ganz einfach: langsame Behörden, Verzögerungen und ein Schwarzer-Peter-Spiel mit dem Netzbetreiber. Ein SHZ-Zeitungsbericht bringt es ans Licht: Der Grund für den Bau der Stromtrasse ist nicht der Energiewende geschuldet, die Fertigstellung steht seit 20 Jahren an. Auch sind es keine Bürgerproteste, die verhindern, dass die Stromnetz-Verbindung seit 20 Jahren nicht fertig wird, denn der Lückenschluss verläuft parallel zur Autobahn A 24. Der Netzbetreiber 50Hertz Transmission erwartet in den kommenden Wochen den Planfeststellungsbeschluss. Ziel sei es, die Leitung bis Ende 2012 vor dem Einbruch des Winters fertig zu stellen. Mal sehen, ob das klappt.

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