Uranabbau in der DDR und die Strahlenrisiken: 30 Jahre Wismut-Studie zeigen Langzeitfolgen radioaktiver Belastung

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München – Der Uranabbau in der DDR durch die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut hat bis heute Auswirkungen auf die Strahlenforschung. Bis zur Wiedervereinigung 1990 produzierte das Unternehmen Uran für die sowjetische Atomindustrie und beschäftigte in Sachsen und Thüringen mehr als 400.000 Menschen.
Viele Bergarbeiter waren dabei hohen Belastungen durch das radioaktive Gas Radon, Radon-Folgeprodukte, Quarzfeinstaub und äußere Strahlung ausgesetzt. Die seit 1996 vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) durchgeführte Wismut-Studie gilt nach Angaben des BfS als weltweit größte Studie zu Uranbergarbeitern und Radon. Sie untersucht die gesundheitlichen Folgen dieser beruflichen Strahlenbelastung und liefert bis heute wichtige Erkenntnisse für die Bewertung von Strahlenrisiken.
Grundlage: Wismut-Datenbasis umfasst rund 60.000 Bergarbeiter
Grundlage der Studie ist die sogenannte Wismut-Kohorte mit rund 60.000 ehemaligen Beschäftigten. Für die Bergarbeiter wurde rekonstruiert, in welchem Umfang sie während ihrer Tätigkeit Radon und dessen Folgeprodukten, Quarzfeinstaub sowie äußerer Strahlung ausgesetzt waren.
Die Auswertung der Daten zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen der Höhe und Dauer der Radonbelastung und dem Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Zudem konnte ein Zusammenhang zwischen Quarzfeinstaubbelastung und Staublungenerkrankungen nachgewiesen werden. Gleichzeitig fanden die Forschenden bislang keine überzeugenden Belege dafür, dass Radon die Sterblichkeit durch andere Erkrankungen erhöht.
„Die Wismut-Studie ist die weltweit größte Kohortenstudie zu Bergarbeitern und dem radioaktiven Gas Radon, das beim Uranabbau allgegenwärtig ist. Daher ist sie für die internationale Strahlenschutzforschung von großer Bedeutung – und sie spielt auch eine Rolle in den aktuellen internationalen Diskussionen zur Regulation von Niedrigdosen. Die Ergebnisse lieferten in den vergangenen Jahren außerdem wissenschaftliche Grundlagen, auf der aktuelle Gesetzgebung im Bereich des Strahlenschutzes aufbauen kann“, sagte BfS-Vizepräsident Florian Rauser.
Wismut-Studie liefert bis heute Erkenntnisse für aktuellen Strahlenschutz
Die Ergebnisse der Studie werden heute unter anderem genutzt, um zu bewerten, mit welcher Wahrscheinlichkeit Erkrankungen auf eine berufliche Strahlenbelastung zurückgeführt werden können. Zudem lieferten die Erkenntnisse wichtige Grundlagen für Regelungen zum Schutz vor Radon an Arbeitsplätzen und in Innenräumen.
Nach Angaben des BfS lässt sich rechnerisch zeigen, dass auch heute noch ehemalige Wismut-Bergarbeiter an radonbedingtem Lungenkrebs erkranken können. Das Risiko nimmt jedoch deutlich ab, je länger die Tätigkeit an radonbelasteten Arbeitsplätzen zurückliegt.
Beitrag zur internationalen Forschung: Strahlenwirkungen auf Uranbergarbeiter
Die Daten der Wismut-Kohorte fließen inzwischen auch in internationale Forschungsprojekte ein. In weltweiten Pooling-Projekten werden Daten verschiedener Uranbergarbeiter- und Uranaufbereiter-Kohorten zusammengeführt, um die gesundheitlichen Auswirkungen von Strahlenbelastungen weiter zu untersuchen.
Zusätzlich betreibt das BfS eine Biobank mit biologischen Proben von etwa 1.000 ehemaligen Wismut-Beschäftigten. Damit sollen unter anderem biologische Auswirkungen von Strahlung auf zellulärer Ebene sowie mögliche Unterschiede bei der individuellen Strahlenempfindlichkeit untersucht werden.
Bei einem internationalen Workshop des BfS in München werden aktuelle Forschungsergebnisse und offene Fragen diskutiert. Dazu gehören unter anderem mögliche Zusammenhänge zwischen Radon und weiteren Krebserkrankungen sowie die Wirkung sehr niedriger Strahlendosen.
Quelle: IWR Online
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