Weltmarkt für Atomkraftwerke stagniert 2025 und bleibt in der Talsohle

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Münster - Der globale Markt für Atomkraftwerke kommt auch 2025 - wie bereits in den Vorjahren - nicht aus der Talsohle heraus. Eine Renaissance mit signifikantem Marktwachstum ist weiterhin nicht in Sicht.
Perspektivisch ist auch in den kommenden Jahren kaum Wachstum der globalen Atomkraftwerksleistung zu erwarten. Der Fokus auf geplante Neubauten verdeckt häufig die zunehmenden Stilllegungen älterer Anlagen. In der Gesamtbilanz aus Zubau und Abschaltungen dürfte die weltweite Atomkraftwerksflotte daher auch künftig weitgehend stagnieren.
2025: Weltweit drei neue Atomkraftwerke und sieben Stilllegungen
Nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) sind im Jahr 2025 weltweit drei neue Atomkraftwerke in Betrieb gegangen (2024: sechs). Gleichzeitig wurden sieben ältere Anlagen endgültig stillgelegt (2024: vier). Unter dem Strich ergibt sich damit ein Netto-Rückgang.
Bezogen auf die Leistung der Atomkraftwerke sind laut IAEA (Stand: 27.04.2026) im Jahr 2025 neue Kernkraftwerke mit einer Nettoleistung von 2.956 MW ans Netz angeschlossen worden, deutlich weniger als 2024 mit 6.813 MW. Die Inbetriebnahmen 2025 erfolgten in Russland (Kursk 2-1, 1.200 MW), Indien (Rajasthan-7, 630 MW) und China (Zhangzhou-2, 1.126 MW).
Im gleichen Zeitraum wurden 2025 weltweit Kernkraftwerke mit einer Nettoleistung von insgesamt 2.823 MW stillgelegt (2024: 2.891 MW). In Belgien betrifft dies die drei abgeschalteten Kernkraftwerke Doel 1 und Doel 2 (je 445 MW) sowie Tihange-1 (962 MW). Hinzu kommen die Stilllegung des letzten in Betrieb befindlichen Atomkraftwerks in Taiwan, Maanshan-2 (938 MW), sowie die Abschaltung von drei kleineren Anlagen Bilibino-2, -3 und -4 (je 11 MW) in Russland.
Bilanz Atomkraftwerke 2025: Weltweiter Zuwachs von 133 MW
In der Jahresbilanz 2025 ergibt sich aus Zubau (2.956 MW) und Stilllegungen (2.823 MW) ein geringer weltweiter Nettozuwachs von 133 MW Atomkraftwerksleistung.
„Die häufig angekündigte Renaissance der Atomenergie fällt auch 2025 aus“, so Dr. Norbert Allnoch, Geschäftsführer des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR).
Die Ursachen für das weiterhin schwache Wachstum des globalen Marktes bleiben unverändert, so Allnoch: sehr hohe Investitionskosten, lange Bauzeiten von 10 bis 15 Jahren in einem dynamischen Energiemarktumfeld mit schwer prognostizierbaren Rahmenbedingungen bis zur Inbetriebnahme sowie erhebliche Finanzierungsrisiken, die in der Praxis meist nur von staatlichen Akteuren getragen werden können. Zudem ist die Zahl der Unternehmen, die Atomkraftwerke planen, bauen und exportieren können, sehr begrenzt - überwiegend handelt es sich um Staatsunternehmen.
Quelle: IWR Online
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