07.08.2015, 15:04 Uhr

Warum Hans-Josef Fell den BUND verlässt

Münster / Berlin – Der Grünen-Politiker und langjährige Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell hat seine Mitgliedschaften bei den Naturschutzverbänden Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) gekündigt. Der bekennende Befürworter der erneuerbaren Energien begründet diesen Schritt mit den Positionen der Umweltverbände zur Energiewende. Der BUND weist die von Fell angebrachten Gründe entschieden zurück.

Der BN ist nach eignen Angaben der älteste und größte Umweltschutzverband des Landes Bayern, gegründet wurde er bereits im Jahr 1913. Mit maßgeblicher Unterstützung des BN ist 1975 auch der BUND gegründet worden. Heute ist der BN der bayerische Landesverband des BUND. Wie Fell in seiner Kündigung darlegt, fällt ihm der Austritt nicht gerade leicht.

Fell: BUND und BN behindern den Ausbau erneuerbarer Energien

Fell kritisiert, dass der BN in hohem Maße das Ziel des Atomausstieges in Bayern gefährde und einen wirksamen Klimaschutz behindere. Es geht um deren Positionen und Aktionen gegen den Ausbau erneuerbarer Energien sowie dem Ausbau des Stromnetzes. Fell wirft dem BN vor, zusammen mit der CSU und Suedlink-Gegnern gegen die neue Höchstspannungsleitung durch die Rhön zu opponieren. Während dabei der dezentrale Aufbau einer Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien gefordert werde, würden Vertreter des BN gleichzeitig aber an vielen Stellen gegen diesen notwendigen Ausbau der regenerativen Energien kämpfen, so die Einschätzung Fells. Der Grünen-Politiker nennt Beispiele: Im windreichsten Gebiet Bayerns, der Rhön, setze sich der BN gegen jede Windkraftanlage ein, um das Biosphärenreservat zu schützen; gegen Ausbau und für die Abschaltung bestehender Wasserkraftanlagen setze sich der BN seit Jahren ein; prominente BN-Mitglieder würden sich gegen geplante Solarkraftwerke engagieren. Auch in Sachen Biogas stelle sich der BN quer wegen befürchteter Maismonokulturen.

BUND kann Vorwürfe von Fell "nicht nachvollziehen"

Das Fazit von Fell lautet: "Dezentrale Erneuerbare Energien (Sonne, Wind, Bioenergien, Wasserkraft) sollen den Atomstrom ersetzen, ohne neue Leitungen, doch genau diesen Ausbau der Erneuerbaren Energien behindert der BN in der Region und bundesweit selbst." Daraus zieht der Politiker nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft die Konsequenz. Fell könne die aktuelle Politik des BUND und vor allem des BN nicht länger mittragen und kündige daher. In einem Antwortschreiben von Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND und des BN, werden Fells Argumente zurückgewiesen. Man bedaure die Kündigung, könne die Vorwürfe Fells aber in vielen Punkten nicht nachvollziehen. Der Vorwurf, der BN trage Mitschuld, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland massiv zurückgehe, sei "abstrus".

OVID teilt Fells Einschätzung zu Biokraftstoffen

In seinem ausführlichen Kündigungsschreiben geht Fell zudem auch auf die Biotreibstoffe ein: Auch dabei verhindere der BUND mit seiner Verbandsposition auf europäischer Ebene den Ausbau. Fell stimme zwar zu, dass Biokraftstoffe, für die Urwälder abgeholzt werden und die zu Monokulturen führen, zu verhindern sind. Allerdings gehe "die größte globale Entwaldungswirkung" vom Erdöl aus. Man habe vor zwei Jahren intensiv versucht, auf der europäischen Ebene statt ILUC, welches eine pauschale Verhinderung des Ausbaus auch der ökologisch sauberen Biokraftstoffe bringe, eine andere Biokraftstoffposition des BUND in Brüssel auf den Weg zu bringen. Dies sei leider nicht gelungen, so Fell. Nun ist vor allem auf Betreiben der europäischen Umweltverbände ILUC beschlossen worden. Dies sei das Ende nachhaltiger Biokraftstoffe in Europa gewesen mit dem Effekt, dass die weitere Nutzung des Erdöls auf hohem Niveau erfolge. Fell benennt die Gründe klar: "Weil eine der wichtigsten Alternativen mit Hilfe des BUND verhindert wird."

Auf Fells Position zum Thema Biokraftstoffe ist auch der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e. V. (OVID) eingegangen. OVID-Präsident Wilhelm F. Thywissen erklärte dazu: "Herr Fell hat recht. Unsere Biokraftstoffe werden seit Jahren von den Umweltverbänden diskriminiert. Dabei ist Biodiesel aus Raps rund 60 Prozent klimafreundlicher als fossiler Sprit. Die Alternativen sind Erdöl aus konventionellen Quellen oder noch klimaschädlichere Ölsande und Ölschiefer aus Nordamerika." Hans-Josef Fell war von 1998 bis 2013 Mitglied im Deutschen Bundestag. Er zählt neben Hermann Scheer zu den Initiatoren und engagierten Vorkämpfern für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Quelle: IWR Online

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