08.09.2014, 16:09 Uhr

Was bringt das neue EEG für Ökostrom-Anbieter?

Düsseldorf – Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hat die Branche in Deutschland 2014 lange Zeit in Atem gehalten. Seit August sind die neuen Regelungen nun in Kraft. Für die Ökostromversorger bedeutet dabei der Wegfall des sogenannten Grünstromprivilegs einen Verlust. Doch die Anbieter hoffen auf eine Nachfolgeregelung…

IWR Online hat beim Düsseldorfer Ökostromanbieter Naturstrom nachgefragt, wie sich das neue EEG 2014 auf das Geschäft auswirkt. Die Naturstrom AG, die im aktuellen Ökostrom-Tarifcheck des Magazins Ökostest mit dem Gesamturteil „sehr gut“ bewertet wurde, projektiert und betreibt einerseits regenerative Energieprojekte, die u.a. nach dem EEG vergütet werden, und agiert zudem in einem weiteren Geschäftszweig als reiner Ökostrom-Anbieter.

Naturstrom vermisst innovative und dezentrale Lösungen bei EEG-Novelle

Oliver Hummel ist im Vorstand der Naturstrom AG und hat sich den Fragen von IWR Online gestellt. Aus seiner Sicht haben bei der EEG-Novelle weder innovative noch dezentrale Lösungen eine Rolle gespielt. Hummel: "Möglichkeiten der Direktbelieferung aus nahe gelegenen Anlagen oder des Eigenverbrauchs werden schlechter gestellt, diese Wege will die Bundesregierung mit der Novelle bewusst unattraktiv machen. Stattdessen setzt sie auf die Energiekonzerne. Eine starke, lebendige Bürgerbeteiligung wird nicht gewollt, den Vorteil dezentraler Projekte mit ihrer Möglichkeit, Angebot und Nachfrage vor Ort bestens aufeinander abstimmen zu können, hat die Bundesregierung offenbar nicht gesehen." Wenn durch die Reform etwas sinke, so Hummel, dann sei es das Tempo der Energiewende. Sollte die EEG-Umlage zum Jahreswechsel tatsächlich sinken, dann wäre dies auch ohne die Gesetzes-Änderungen geschehen, so der für den Bereich Energiebelieferung verantwortliche Naturstrom-Vorstand.

Grünstromprivileg war bislang kaum attraktiv

Die Auswirkungen des neuen EEGs für die Branche des Ökostromvertriebs sind aus Sicht von Hummel marginal. Hummel erklärte: "Denn Ökostromtarife basierten ja auch vor der Novelle in aller Regel auf Wasserkraft aus ausländischen Anlagen, inländischen nicht EEG-vergüteten Anlagen oder schlimmstenfalls auf einem reinen Zertifikate-Zukauf. Die Zahl der Nutzer des abgeschafften Grünstromprivilegs, wie die Naturstrom AG, war aufgrund der niedrigen wirtschaftlichen Attraktivität nur gering."

Direktere Auswirkungen könnten dort bestehen, wo Ökostrom-Versorger über den reinen Energiehandel hinaus als Projektierer und Anlagenbetreiber tätig sind, wie es bei der Naturstrom AG der Fall ist. Hummel weiter: "Angesichts der ungewissen Zukunft aufgrund von weiteren Vergütungskürzungen und der großen Unbekannten namens "Ausschreibungen" versuchen wir, dieses und nächstes Jahr noch möglichst viele unserer weit entwickelten Wind- und PV-Projekte zu realisieren."

Nachfolger für Grünstromprivileg mit echtem Energiewende-Mehrwert gesucht

Für die Zukunft hofft Hummel auf einen Nachfolger für das Grünstromprivileg: "Branche und Politik diskutieren schon seit einiger Zeit rege, wie eine Nachfolgeregelung zum Grünstromprivileg aussehen kann. Wir sehen derzeit realistische Chancen, dass es ein für alle Seiten akzeptables Modell geben wird. Ein Modell also, das gegenüber anderen Vermarktungsformen mindestens kostenneutral ist, mit EU-Recht vereinbar und das zudem einen Anreiz zum Abgleich von Ökostromangebot und –bedarf setzt und somit für einen echten Energiewende-Mehrwert sorgt."

Der Grund für den Optimismus hinsichtlich einer Nachfolge für das Grünstromprivileg sieht der Düsseldorfer Ökostrom-Anbieter in einer Verordnungsermächtigung, die es im Zuge der EEG-Novelle noch ins EEG geschafft hatte. Durch diese Ermächtigung könne das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) noch vor der nächsten EEG-Novelle per Verordnung ein solches Modell "nachrüsten". Doch Hummel hält fest: "Bis dahin gibt es allerdings kein Direktvermarktungsmodell, dass es wirtschaftlich erlaubt, EEG-vergütungsfähigen Strom transparent und nachvollziehbar als Ökostrom an Endkunden zu liefern – das ist der unbefriedigende status quo."

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