05.11.2014, 10:44 Uhr

Was pwc für den deutschen Strommarkt empfiehlt

Frankfurt am Main – Der globale Wirtschaftsberatungs-Dienstleister PricewaterhouseCoopers hat eine Studie zum Strommarkt in Deutschland vorgestellt. Eine Schlüsselrolle zur Schließung möglicher Kapazitätslücken spielt für die Berater die Erhöhung der Energieeffizienz.

Die Studie analysiert, wie sich unterschiedliche Optionen zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit im deutschen Strommarkt auf Kosten und Emissionen auswirken. „Dabei sollte sich die Debatte zur Versorgungssicherheit nicht nur auf die Frage der Stromerzeugung und der Notwendigkeit eines Kapazitätsmarktes beschränken“, betont Dr. Norbert Schwieters, Leiter des Bereichs Energiewirtschaft bei pwc.

Ohne Energieeffizienz droht Kapazitätslücke

Ohne intensivere Einsparungen beim Stromverbrauch droht gemäß Studie bereits 2023 eine Kapazitätslücke durch das Abschalten alter Kraftwerke und fehlende Neuinvestitionen. Das Aufkommen dieser Lücke könnte jedoch durch Erhöhung der Energieeffizienz um einige Jahre verzögert werden: „Die Energieeffizienz zu erhöhen, ist der beste und kostengünstigste Ansatzpunkt, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die mit der Energiewende verbundenen Umweltziele zu erreichen“, so Schwieters.

Neben der hohen Bedeutung der Energieeffizienz zeigt die Studie auf, dass durch eine Kombination von Strom und Wärme in Form von Kraft-Wärme-Kopplung zur Schließung der Kapazitätslücke im Strommarkt bis 2050 Kosten in Höhe von bis zu 30 Milliarden Euro und 210 Millionen Tonnen C02-Emissionen eingespart werden können.

Biomasse und Nachfragesteuerung besser ausschöpfen

Eine weitere vielversprechende Möglichkeit, um Kapazitätslücken zu schließen, bietet laut pwc-Studie die Nutzung von Biomasse als CO2-neutrale erneuerbare Energiequelle. Dennoch wird das Potential momentan nicht voll ausgeschöpft. Das liege in erster Linie am überarbeiteten Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG), das lediglich einen Bruttoausbaukorridor von 100 Megawatt (MW) pro Jahr vorsieht. Wie die Studie aufzeigt, könnte die gesetzliche Beschränkung langfristig sogar zu einer Reduktion der installierten Biomasse-Kapazitäten auf ein Drittel führen.

In der flexiblen Nachfrage liegt nach Ansicht der pwc-Berater ein weiterer Schlüssel. Das sogenannte Demand-Side-Management sei versprechend. Hierbei soll die Nachfrage nach Strom in Spitzenzeiten durch gezielte Anreize gesenkt werden.

Schwache Auslastung konventioneller Kraftwerke

Neben den genannten Möglichkeiten zur Bereitstellung gesicherter Leistung werden nach Ansicht der Autoren auch in Zukunft konventionelle Kraftwerke genutzt. Nach pwc-Simulationen gehen dabei die Benutzungsdauern der Kraftwerke mit einem zunehmenden Anteil erneuerbarer Energien weiter zurück. Kraftwerke werden teilweise in den Standby-Modus zwangsversetzt und können dadurch nicht mehr effizient arbeiten. Die Zahl der Stunden wird steigen, in denen ein teures Kraftwerk bei voller Belegschaft keinen Strom produzieren darf, weil andere Energiequellen bevorzugt werden. Durch diese Bedingungen werden künftige Investitionen in Kraftwerke schwer kalkulierbar.

Energiewende gelingt nicht im Alleingang

Die pwc-Experten halten einheitliche europäische Rahmenbedingungen auf dem Strommarkt für notwendig. Damit wäre es möglich, erneuerbare Energien an optimal geeigneten Standorten zu produzieren, um sie anschließend europaweit zu verteilen. Dr. Norbert Schwieters betont: „Zwar verfolgt jedes Land in der Europäischen Union ein anderes Energiesystem mit eigenen Schwerpunkten und Fördersystemen, doch langfristig ist ein europäischer Strommarkt unverzichtbar.“

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