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08.07.2015, 10:05 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Netzbetreiber lehnt Abschaltung von E.ON-Gaskraftwerk ab

Münster – Ende März dieses Jahres hatte der Energiekonzern E.ON die Stilllegung der beiden effizienten bayerischen Gaskraftwerks-Blöcke Irsching 4 und 5 mit zusammen knapp 1.400 Megawatt Leistung beim zuständigen Übertragungsnetzbetreiber Tennet angezeigt. Doch dieser ist dagegen.

Tennet hat nun entschieden, dass eine vorläufige Stilllegung der Kraftwerke aus "Gründen der Systemsicherheit" nicht erfolgen dürfe. Aus Sicht von Beobachtern ist dies aber keine Überraschung.

Geht „Teyssens Trick“ auf?
Bereits im März, als E.ON die endgültige Stilllegung der beiden Gaskraftwerks-Blöcke aufgrund der fehlenden wirtschaftlichen Perspektive angezeigt hatte, wurde über die dahinterstehende Strategie des Versorgers spekuliert. Die Wirtschaftswoche bezeichnete die Pläne E.ONs damals als „Teyssens Trick“. Danach hätte der E.ON-Chef bereits antizipiert, dass Tennet der Abschaltung zum Wunsch-Zeitpunkt Ende März 2016 nicht akzeptieren würde. Demnach müssten die Gasturbinen dann zwei weitere Jahre von E.ON bereitgehalten werden. Diese Gesamtlage verschaffe E.ON eine überaus starke Position, so die Wirtschaftswoche.
Tennet teilte gegenüber IWR Online mit, dass vor dem Hintergrund der nun erfolgten Ablehnung "zur Festlegung der Art und Weise der notwendigen Bereitschaftszustände der Kraftwerke entsprechende Verträge zwischen Übertragungsnetzbetreiber und Kraftwerk zur Bereitstellung der Netzreserve zu schließen" seien. Dies werde zusammen mit der Bundesnetzagentur entsprechend der aktuellen gesetzlichen Lage vorbereitet. Denn die Reservekraftwerks-Versrodnung, unter die der weitere Betrieb von Irsching fallen dürfte, soll dahingehend angepasst werden, dass zusätzliche Kosten-Bestandteile mit berücksichtigt werden dürfen. Das hatte die Bundesregierung jüngst angekündigt. Am Ende des Tages dürfte für E.ON also eine bessere Vergütung herausspringen.

Hocheffiziente Anlagen wurden zuletzt nur zur Systemsicherheit eingesetzt
Die beiden Kraftwerks-Blöcke, um die es geht, sind jung, modern und effizient, doch leider im Gegensatz zu Kohlekraftwerken derzeit nicht wirtschaftlich. Irsching 5 hat eine Leistung von 846 Megawatt (MW) und ging im Jahr 2010 in Betrieb. Mit einem Wirkungsgrad von 59,7 Prozent gehört es laut E.ON zu den modernsten Gaskraftwerken Europas. Irsching 4 mit 550 Megawatt Leistung ging ein Jahr später in Betrieb und ist mit einem Wirkungsgrad von 60,4 Prozent sogar eines der effizientesten Gaskraftwerke weltweit. Zum Eigentümer-Konsortium gehören neben E.ON auch, HSE, Mainova und N-ergie.

Irsching 4 und 5 wurden zuletzt auf Basis eines Vertrags mit Tennet betrieben, der mit der Bundesnetzagentur verhandelt wurde. Dieser Vertrag sah eine Kostenteilung anhand der Einsätze im Markt und zur Stabilisierung des Stromsystems auf Anweisung des Netzbetreibers vor. Laut E.ON kam das Kraftwerk im gesamten Jahr 2014 ausschließlich dann zum Einsatz, wenn die Leistung zur Stabilisierung des Stromsystems gebraucht wurde. Für solche Einsätze erhalten die Eigentümer eine vertraglich vereinbarte Vergütung, die laut E.ON gerade ausreicht, um die entstehenden Kosten zu decken. In den Verhandlungen über die zukünftige Vergütung werden die Betreiber nun wohl verstärkt darauf hinweisen, dass sie das Kraftwerk eigentlich komplett stilllegen wollten.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2015

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