06.11.2013, 16:51 Uhr

Klimaschutz: CO2-Budget für 2-Grad-Ziel schon 2034 statt 2100 erschöpft?

Frankfurt am Main – Selbst ein geringer Anstieg der Erderwärmung hat gravierende Folgen: Anstieg des Meeresspiegels, Wüstenbildung, extreme Wetterphänomene und so weiter. Daher ist es das Ziel der internationalen Klimapolitik, die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen.

Um dieses Ziel zu erreichen muss nach einer Berechnung von PricewaterhouseCoopers die CO2-Intensität bis zum Jahr 2100 jährlich um sechs Prozent sinken. Wenn es aber weiterläuft wie bisher, wird dieses Ziel extrem verfehlt.

Unabsehbare Folgen für Klima und Wirtschaft

CO2-Intensität bezeichnet das Verhältnis von CO2-Emissionen zum realen Bruttoinlandsprodukt. Nach Angaben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) sinkt diese Kennziffer laut dem aktuellen „Low Carbon Economy Index 2013“ seit 2008 im Schnitt nur um 0,7 Prozent pro Jahr. Das verfügbare CO2-Budget könnte damit schon wesentlich schneller aufgebraucht sein als erwartet, nämlich schon im Jahr 2034 statt 2100. Die Folge wäre ein Anstieg der Erdtemperatur um vier Grad Celsius in den nächsten 90 Jahren. "Der Klimawandel ist kaum noch aufzuhalten. Unternehmen müssen ihn in ihren Strategien berücksichtigen. Sie brauchen eine aktive Klimaschutzpolitik, die sich nicht nur auf CO2-Emissionen konzentriert", warnt Michael Werner, Leiter Sustainability Services bei PwC. Auch für die Wirtschaft hätte der Klimawandel Folgen, wie Werner ausführt: "Der Klimawandel hat erheblichen Einfluss auf Wachstum, Ziele und Kosten von Unternehmen. Ihn aktiv zu managen, wird zu einer zentralen Aufgabe. So gilt es zum Beispiel, Risiken in der Lieferkette frühzeitig zu identifizieren und gegenzusteuern. Aber auch bei langfristigen Investitionen spielt das Thema in Zukunft eine zentrale Rolle."

Energiehunger der Schwellenländer

Grund für die unzureichende Absenkung der CO2-Intensität ist die weiterhin starke Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Öl und Kohle. Diese seien derzeit zu 63 Prozent an der globalen Energieversorgung beteiligt. Dagegen kommen die Erneuerbaren trotz weltweit starken Ausbaus nur auf einen Anteil von 8,6 Prozent im Jahr 2012. Eine Steigerung ihres Anteils und eine Steigerung der Energieeffizienz könnten in Zukunft nach Ansicht von Michael Werner dazu beitragen, Wirtschaftswachstum und CO2-Emissionen voneinander zu entkoppeln. Insbesondere in Schwellenländern wäre dies ein Schritt in die richtige Richtung, denn dort steigt der Energiebedarf aufgrund des Wirtschaftswachstums rasant an. Meist wird er mit Kohle gedeckt, die auf dem Weltmarkt gerade zu sehr niedrigen Preisen gehandelt wird. Das führt letztendlich zu der schlechten CO2-Bilanz der G20-Länder und zieht den Gesamtschnitt nach unten: Insgesamt nahm die CO2-Intensität in diesen Ländern nur um 0,4 Prozent seit 2007 nach. Etwas besser sieht es bei den G7-Ländern aus, sie sank die CO-Intensität durchschnittlich um 2,3 Prozent.

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