07.03.2019, 17:19 Uhr

Übernahme von Innogy durch Eon erst einmal auf Eis

Brüssel – Im Januar 2019 hat RWE den Deal zur Aufteilung der RWE-Tochter Innogy bei der EU angemeldet. Jetzt hat die EU-Kommission die geplante Übernahme von Innogy durch Eon gestoppt, zumindest vorläufig.

Die Europäische Kommission (EU-Kommission) hat eine endgültige Entscheidung über den Deal zwischen Eon und RWE vertagt und angekündigt, die Fusion in den kommenden Monaten intensiver prüfen zu wollen. Der Deal könnte innerhalb der EU zu Wettbewerbsverzerrungen auf dem Strom- und Gasmarkt führen, so die Befürchtung.

Kommission befürchtet marktbeherrschende Stellung der neuen Eon

Im Rahmen des zwischen RWE und Eon angestrebten Tauschs von Vermögenswerten würde Eon im Zuge des Deals die Sparten Vertrieb und Verbraucherlösungen sowie bestimmte Vermögenswerte aus dem Stromerzeugungsbereich von Innogy erwerben. Konkret geht es dabei um die geplante Übernahme der Sparten Netz und Vertrieb durch Eon. Als Ergebnis wird Eon seinen geschäftlichen Schwerpunkt auf die Verteilung und den Einzelhandel mit Strom und Gas legen, während RWE in erster Linie auf den vorgelagerten Märkten für Stromerzeugung und -großhandel tätig sein wird, so die Kommission.

Das Vorprüfverfahren der Kommission hat gezeigt, dass die Beteiligten auf mehreren Einzelhandelsmärkten in Deutschland, Tschechien, der Slowakischen Republik und in Ungarn auf nationaler oder regionaler Ebene zusammen eine starke Stellung innehaben. Durch die geplante Übernahme würde in einer Reihe von Mitgliedstaaten ein wichtiger Wettbewerber auf dem Energieeinzelhandelsmarkt wegfallen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat die Kommission daher Bedenken, dass der verbleibende Wettbewerbsdruck nicht ausreichen würde, um die Marktmacht des neu entstehenden Unternehmens zu beschränken und Preiserhöhungen für die Verbraucher zu vermeiden. Die Europäische Kommission hat zur weiteren Beurteilung der geplanten Übernahme von Innogy durch Eon nach der EU Fusionskontrollverordnung daher eine vertiefte Prüfung eingeleitet.

„Privat- und Geschäftskunden in Europa müssen Strom und Gas zu wettbewerbsfähigen Preisen beziehen können. Unsere vertiefte Prüfung soll gewährleisten, dass die Übernahme von Innogy durch Eon hierfür hinreichenden Wettbewerb auf dem Markt erhält und keine Preiserhöhungen zur Folge hat“, erläutert die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager die Entscheidung der EU-Kommission.

Die Kommission muss nun innerhalb von 90 Arbeitstagen (d. h. bis zum 23. Juli 2019) einen Beschluss fassen. Die Einleitung einer vertieften Prüfung lässt keine Schlüsse auf das Ergebnis zu, so die Kommission.

Lichtblick begrüßt Einleitung der Prüfung des Übernahmedeals

Der Ökostromanbieter Lichtblick begrüßt den Beschluss der Kommission, eine endgültige Entscheidung über den Deal zwischen Eon und RWE zu vertagen und die Fusion in den kommenden Monaten intensiver zu prüfen. „Wenn die Energiemarkt-Liberalisierung nicht wieder zunichte gemacht werden soll, darf das Vorhaben nicht ohne erhebliche, wettbewerbsstärkende Auflagen genehmigt werden“, so Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking, der die Gefahr höherer Strompreise für Haushalte und Unternehmen sieht, sollte der Deal genehmigt werden. Eon würde mit der Übernahme der Kunden und Stromleitungen von Innogy zu einem Megakonzern heranwachsen, der Wettbewerber wie lästige Fliegen abschütteln könne, so Lücking weiter. Konkret befürchtet Lichtblick, dass die neue Eon nach der Übernahme von Innogy vor allem eine Monopolstellung in den Bereichen Stromverkauf, Smart Meter sowie beim Ladesäulennetz einnehmen könnte.

Quelle: IWR Online

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