20.08.2019, 15:02 Uhr

DLR erhält zweiten Forschungs-Solarturm in Jülich

Jülich - Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erhält am Standort Jülich in NRW einen zweiten Solarturm für die Forschung. Er soll ab Frühjahr 2020 parallel zum ersten Solarturm betrieben werden.

Solarthermische Kraftwerke unterscheiden sich von konventionellen Anlagen vor allem dadurch, wie der heiße Dampf zum Antrieb der Turbinen erzeugt wird. Forscher wollen zudem die gewonnenen Erkenntnisse zur solarthermischen Wärmespeicherung für die Entwicklung von Wärmespeicherkraftwerken im Rahmen der Energiewende nutzen.

DLR-Institut für Solarforschung in Jülich erhält zweiten Solarturm

Am 16. August 2019 ist der offizielle Startschuss für den Bau des zweiten Solarturms gefallen. Das Besondere der Anlage: Sie verfügt über drei Testebenen, die gleichzeitig genutzt werden können. Die Testkapazität wird deutlich erhöht. Mit dem Multifokus-Turm intensiviert das DLR die Forschung an solarthermischen Technologien.

"An den beiden Solartürmen in Jülich forscht das DLR zu solarthermischen Kraftwerken. Erkenntnisse daraus dienen unter anderem der Entwicklung von Wärmespeicherkraftwerken, die rund um die Uhr Strom aus erneuerbaren Energien liefern können. Zudem sollen die Prozesse für die Erzeugung solarer Brennstoffe untersucht und verbessert werden", sagt Prof. Karsten Lemmer, DLR-Vorstand für Energie und Verkehr.

Solarthermische Kraftwerke: Steigerung der Betriebstemperatur im Fokus

Bei Solarturmkraftwerken wird die Sonnenstrahlung von vielen einzelnen Spiegeln gebündelt und auf einen Punkt an der Spitze eines Turmes gelenkt. Das Speichermedium wird auf eine Betriebstemperatur von 560 Grad Celsius erhitzt. Mit dieser Hitze kann wie in einem normalen Kraftwerk der Wasserdampf erzeugt werden, um eine Turbine anzutreiben. Das DLR forscht daran, die Betriebstemperatur des Speichermediums auf 700 Grad zu erhöhen, um die Effizienz der Stromerzeugung zu verbessern.

Anwendung Energiewende: Umrüstung von Braunnkohle-Kraftwerken

Solare Hochtemperaturwärme und -speicher könnte auch in Deutschland genutzt werden. So ist geplant, sie zur effizienten Wärmeversorgung von energiehungrigen Industrieprozessen einzusetzen. Diese beruhen derzeit noch auf fossilen Rohstoffen und könnten so "dekarbonisiert" werden. Oder das Konzept "Third-Life-Kohlekraftwerk": Bei der Umrüstung von Braunkohlekraftwerken auf den Betrieb mit erneuerbarem Strom spielen Hochleistungs-Wärmespeicher ebenfalls die zentrale Rolle. Genauso kommt die Weiterentwicklung der solaren Hochtemperaturtechnologien der Erzeugung von "Solar Fuels" zugute, also synthetischen Kraftstoffen für Flug-, Schiffs- und Schwerlastverkehr.

Quelle: IWR Online

© IWR, 2019