22.01.2014, 15:45 Uhr

EEG-Reformvorschlag von Gabriel – „grüne“ Branchenstimmen in der Übersicht

Münster - Wirtschaftsminister Gabriel sorgt mit der Veröffentlichung des EEG-Eckpunktepapiers für viel Wirbel. Das am Wochenende publik gewordene Papier dient als Grundlage für die Entscheidungen zur Energiewende, die die Bundesregierung auf ihrer heute begonnenen Klausurtagung in Bad Meseberg getroffen hat.

Die Vorschläge des Wirtschaftsministeriums werden insbesondere in der Branche der Regenerativen Energiewirtschaft kontrovers diskutiert. Nachfolgend die Reaktionen von einigen Branchenvertretern in der Übersicht:

Juwi befürchtet Todesstoß für die Energiewende

Nach Einschätzung der juwi-Geschäftsführer Fred Jung und Matthias Willenbacher sind die in dem Entwurf skizzierten Pläne zur EEG-Reform geeignet, der Energiewende als Ganzes den Todesstoß zu versetzen. "Die Vorschläge zerstören das Vertrauen von Investoren, verunsichern Kommunen, Bürger und Genossenschaften und verteuern die Energiewende statt den Stromkunden zu entlasten," so Jung und Willenbacher.

IBC Solar: EEG-Umlage auf Selbstverbrauch von Strom aus Photovoltaik-Anlagen ist paradox

IBC-Solar-Chef Udo Möhrstedt fodert, dass der Eigenverbrauch von Strom aus Solarstromanlagen abgabenfrei bleiben muss. Eine Abgabe auf selbstgenutzten Solarstrom einzuführen, sei ungefähr so sinnvoll, wie Elektroautos die Mineralölsteuer aufzuzwingen, so Möhrstedt.

Belectric sieht neue Chancen für Freiflächen-PV-Anlagen

BELECTRIC-Geschäftsführer Bernhard Beck begrüßt die Pläne zur Wiederbelebung des Segmentes für Freiflächen-Solarkraftwerke. Diese stellen eine der günstigsten Formen der Stromerzeugung in Deutschland dar.

Naturstrom AG fordert Möglichkeit zur Vermarktung von EEG-Strom

Naturstromvorstand Banning bewertet die verpflichtende Direktvermarktung von Ökostrom in der geplanten Form als klare Fehlentwicklung. Das neue EEG müsse unbedingt eine Möglichkeit vorsehen, Endkunden direkt mit Ökostrom aus EEG-Anlagen zu versorgen, denn so werde der Strom werthaltig vor Ort vermarktet und nicht am Spotmarkt verramscht.

PlanET Biogastechnik: EE-Ausbaupfad basiert auf Milchmädchenrechnung

Hendrick Becker, Chef des Biogasanlagenbauers PlanET Energietechnik, verweist auf den Diskussionscharakter, den das Papier im Rahmen des politischen Abstimmungsprozesses hat. Es könne daher nicht alles für bare Münze genommen werden. Den skizzierten EE-Ausbaupfad bezeichnete er als Milchmädchenrechnung, da nicht zwischen stetigen und fluktuierenden Technologien differenziert werde.

Agri.capital: Eckpunktepapier ist ein Hemmschuh für die weitere Entwicklung

Besonders Biogas- und Biomethan-Anlagen sind aufgrund der langen Bauzeit nach Ansicht des Biogasunternehmens von den Vertrauensschutzregelung für Investoren betroffen. Bei Anlagen, die nach März 2013 in Bau gegangen sind, könne die Finanzierung durch das neue EEG damit hinfällig sein. Insgesamt seien Branche und Investoren verunsichert, der Entwurf sei ein Hemmschuh für Innovationen und Investitionen.

WKN AG: besonders mittelständische Unternehmen sind bedroht

Nach Einschätzung des Windenergie-Projektierers WKN stellt der fehlende Vertrauensschutz ein großes Problem für den weiteren EE-Ausbau dar. Eine große Gefahr bestehe zudem für mittelständische Unternehmen durch das für 2017 anvisierte Ausschreibungsmodell. Große EVU könnten in einem Preiskampf kleinere Unternehmen unterbieten, die Energiewende unter Beteiligung der Bürger werde gefährdet.

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