08.09.2026, 14:49 Uhr

Energiespeicher: Voltfang startet Bau von 10-MW-Großspeicher auf altem Philips-Gelände in Aachen


© Voltfang

Aachen - Der Batteriespeicher-Spezialist Voltfang hat in Aachen mit dem Bau eines Großbatteriespeichers mit 10 MW Leistung und rund 21 MWh Kapazität begonnen. Die Anlage entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Philips-Fabrik im TRIWO Gewerbe- und Industriepark und soll bereits Ende 2026 in Betrieb gehen.

Das frühere Philips-Areal steht seit dem Ende der Bildröhrenproduktion 2004 für einen schrittweisen Standortwandel mit neuen Industrie- und Gewerbeansiedlungen. Mit dem Großspeicher kommt nun eine energiewirtschaftliche Nutzung hinzu, die zugleich von der vorhandenen Energieinfrastruktur und nicht genutzter Netzanschlussleistung profitiert.

Standort Aachen: Vorhandene Netzinfrastruktur für neuen Großspeicher

Der Speicher wird über einen neuen Anschluss mit dem bestehenden Umspannwerk auf dem Gelände verbunden. Voltfang übernimmt bei dem Projekt die Planung, Systemintegration und den langfristigen technischen Anlagenbetrieb.

Technisch besteht die Anlage aus vier Batteriecontainern der neuen Großspeichergeneration „Voltfang 3+“ sowie zwei Mittelspannungs-Skids von WSTECH. Der Anschluss erfolgt auf der 10-kV-Ebene. Die Anlage ist zudem für eine spätere Umstellung auf 20 kV ausgelegt, falls das Spannungsniveau des Umspannwerks künftig angehoben wird.

Eingesetzt werden soll der Speicher vor allem für Primärregelleistung (FCR), Sekundärregelleistung (aFRR) sowie den Stromhandel. Durch flexibles Laden und Entladen kann die Anlage auf Schwankungen im Stromsystem und Preissignale am Strommarkt reagieren.

Erstes Projekt aus 250-Mio.-Euro-Partnerschaft mit Palladio Partners

Der Aachener Speicher ist das erste gemeinsame Projekt von Voltfang und dem Infrastrukturinvestor Palladio Partners. Beide Unternehmen haben eine Partnerschaft für die Umsetzung von Großspeicherprojekten in Deutschland mit einem Investitionsvolumen von bis zu 250 Mio. Euro vereinbart. Aachen ist nach Angaben von Palladio Partners der erste von mehreren Standorten, die gemeinsam mit Voltfang entwickelt werden.

„Großbatteriespeicher haben sich als eigenständige Assetklasse im Infrastruktursektor etabliert. Sie bieten langfristig orientierten Investoren die Möglichkeit, in einen zentralen Baustein der Energiewende zu investieren“, sagt Oliver Sauer, Partner bei Palladio Partners. Das Aachener Projekt zeige zugleich, wie bestehende Netzinfrastruktur weitergenutzt und zusätzliche Flexibilität für das Stromsystem geschaffen werden könne.

Zweiter Großspeicher: Voltfang baut Speicherpipeline in der Region Aachen weiter aus

Für Voltfang ist das Projekt bereits der zweite Großspeicher in der Region innerhalb kurzer Zeit. Anfang 2026 ging im nahe gelegenen Alsdorf ein Voltfang-Großspeicher in Betrieb. Mit Alsdorf West und dem C-Werk befinden sich nach Unternehmensangaben zwei weitere Standorte in der Nähe von Aachen in der Projektpipeline. Weitere Projekte befinden sich deutschlandweit in der Umsetzung.

Großbatteriespeicher werden überwiegend privatwirtschaftlich finanziert und übernehmen im Stromsystem eine ähnliche Funktion wie die seit Jahrzehnten eingesetzten Pumpspeicherkraftwerke: Sie nehmen Strom in Zeiten niedriger Strompreise auf und speisen ihn bei höheren Preisen wieder ein.

Diese Funktion gewinnt angesichts der aktuell hohen Gaspreise zusätzlich an Bedeutung. In der Merit Order an der Strombörse bestimmen Gaskraftwerke in den Stunden den Börsenstrompreis, in denen sie zur Deckung der Nachfrage noch benötigt werden. Batteriespeicher können in solchen Hochpreisphasen zuvor gespeicherten Strom bereitstellen, den Einsatz teurer Gaskraftwerke reduzieren und damit das Preisniveau am Strommarkt dämpfen. Gleichzeitig stellen sie Regelenergie zur Stabilisierung des Stromnetzes bereit.

Quelle: IWR Online

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