09.04.2013, 08:37 Uhr

Energiewirtschaft sorgt sich um langfristigen Kraftwerks-Ausbau

Berlin - Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat zu Beginn der Hannover Messe auf langfrsitige Probleme beim Ausbau der Kraftwerke in Deutschland hingewiesen. "Beim Kraftwerksbau droht eine neue Eiszeit. Insbesondere die Planungen für Anlagen, die nach 2015 umgesetzt werden sollen, sind auf Eis gelegt worden, auch wenn teilweise bereits notwendige Genehmigungen vorliegen. Inzwischen ist bei fast einem Drittel aller Projekte der Zeitpunkt der Inbetriebnahme unklar. Die Investitionsbedingungen sind zurzeit schlichtweg zu unsicher." Das erklärte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW. Der Branchenverband stellte die neue BDEW-Kraftwerksliste vor, die Anlagen von mindestens 20 Megawatt (MW) Leistung enthält. Müller führte die Unsicherheit bei Investoren auf drei wesentliche Gründe zurück: unklare politische Rahmenbedingungen für ein zukunftsfähiges Marktdesign, die fehlende Wirtschaftlichkeit für Gas- und teilweise auch Steinkohlekraftwerke sowie Akzeptanzprobleme beim Bau.

Jede Menge neue Kohlekraftwerke bis 2015

Dabei gehen in Deutschland kurzfristig immer mehr fossile Kraftwerke ans Netz und produzieren Strom. Trotz des letztjährigen neuen Rekords beim Strom-Exportüberschuss in Höhe von 23 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) nehmen nach den aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur allein in den Jahren 2013 bis 2015 per Saldo neue Steinkohle-Kraftwerke mit einer zusätzlichen Gesamtleistung von über 6.300 MW den Betrieb auf (Stand: 27.03.2013). Mit den neuen Kraftwerken können bis zu 30 Mrd. kWh (5 Prozent des Strombedarfs) Kohlestrom zusätzlich auf den Markt kommen und so den deutschen Strom-Exportüberschuss trotz der acht abgeschalteten Atomkraftanlagen in den nächsten Jahren mehr als verdoppeln. "Die Stromversorger überschwemmen den Markt geradezu mit neuen fossilen Kraftwerken, ohne in gleichem Umfang ineffiziente Altanlagen abzuschalten", sagt IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch.

BDEW sieht langfristig Probleme und fordert neues Marktdesign

Auch der BDEW räumt ein, dass kurzfristig mehrere neue konventionelle Kraftwerke und Offshore-Windparks ans Netz gehen. Dadurch sehe die Kapazitätssituation vorübergehend besser aus. Doch Hildegard Müller vom BDEW sieht Probleme für die Zeit danach: "Aber ab 2016 lassen die Kraftwerksplanungen deutlich nach. Dies wird also keinen dauerhaften Entspannungseffekt für den Markt und die Versorgungssicherheit bringen. Wir brauchen aber weiter gesicherte Leistung, um die schwankende Einspeisung aus Erneuerbaren Energien bei Bedarf ausgleichen zu können." Laut der BDEW-Kraftwerksliste sollen allein in diesem und im nächsten Jahr 27 große Anlagen in Betrieb gehen. Bis zum Jahr 2015 sollen nach jetzigem Planungsstand rund 16.000 MW neue Kraftwerksleistung installiert sein. In der Zeit zwischen 2013 und 2022 würden mindestens 16.000 MW Kraftwerksleistung stillgelegt. Die Politik müsse sich mit den Fragen des künftigen Marktdesigns auseinandersetzen, um die notwendigen Rahmenbedingungen für den Bau von neuen, effizienten Kraftwerkskapazitäten insbesondere für die Zeit nach dem Jahr 2020 zu klären, fordert der BDEW.


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