04.11.2014, 14:58 Uhr

Klimaschutz: Was Greenpeace, WWF und BUND nach dem IPCC-Bericht fordern

Kopenhagen – Der Fünfte Sachstandsberichts zum Klimawandel ist vom Weltklimarat verabschiedet worden. An den Teil-Studien hatten seit 2008 mehr als zweitausend Experten gearbeitet. Das Fazit des Gesamtberichts lautet, dass das Zwei-Grad-Ziel noch erreichbar ist, aber dass dafür erhebliche Anstrengungen unternommen werden müssen. In Deutschland nehmen Umweltverbände und Oppositionspolitiker die Warnsignale sehr ernst. Auch ein Mitautor der Studie hat sich zu Wort gemeldet.

Bereits bei der Vorstellung des Berichts hatte die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erklärt, dass die Ergebnisse des Sachstandsberichts alarmierend und ermutigend zugleich seien. Die Menschheit müsse schnell reagieren, um die globale Erwärmung zu begrenzen. Deutlich schärfere Töne schlagen vor allem die Umweltverbände an.

IPCC-Autor Edenhofer: „Klimaschutz kostet nicht die Welt“

Professor Ottmar Edenhofer vom Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK), Ko-Vorsitzender der IPCC-Arbeitsgruppe „Klimaschutz“ und einer der Autoren des nun veröffentlichten Syntheseberichts, verweist auf die möglicherweise unumkehrbaren Folgen ungebremsten Klimawandels. Demgegenüber seien Kosten eines ambitionierten Klimaschutzes aus seiner Sicht überschaubar: „Wir sind heute nicht auf dem Weg, das gesetzte Zwei-Grad-Ziel einzuhalten.“ Edenhofer erklärt weiter, dass der Klimaschutz zwar mit Kosten verbunden sei, aber „es kostet nicht die Welt, den Planeten für unsere Kinder zu bewahren“.

Grüne: Weltklimabericht muss der Bundesregierung die Augen öffnen

„Der Weltklimabericht muss der Bundesregierung endlich die Augen öffnen“ sagt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann zum IPCC–Bericht. „Deutschland muss als hoch entwickeltes Industrieland vorangehen. Wenn die Bundesregierung es zulässt, dass der CO2-Ausstoß wie im vergangenen Jahr sogar noch ansteigt, hat sie keine Argumente mehr, international mehr Klimaschutz zu fordern“, so Haßelmann.

Der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel, ebenfalls von Bündnis 90/Die Grünen, geht sogar von konkreten Klimawandel-Folgen für sein Bundesland aus. Seiner Meinung nach wird der Klimawandel auch in NRW zu häufigeren Wetterextremen führen. „Das alarmiert. Wem jetzt die Dringlichkeit zu handeln nicht glasklar ist, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen“ erklärte Remmel zum IPCC–Bericht. Er rät zu einer ambitionierten Politik gegen die globale Erwärmung. „Deshalb stimmt die Landesregierung jetzt den Entwurf für den Klimaschutzplan für NRW ab. Er ist die Roadmap, mit der wir unsere Klimaziele erreichen wollen“, so Remmel.

BUND, WWF und Greenpeace fordern schnelles Handeln

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist der Meinung, die Bundesregierung müsse jetzt konsequent handeln: „Je länger wir warten, desto größer werden die Risiken eines unumkehrbaren Klimawandels und umso gravierender die Folgen für die Gesellschaft", so der Vorsitzende des BUND, Prof. Dr. Hubert Weiger. "Eine verantwortliche Politik zum Schutz unserer Lebensgrundlagen erfordert die grundlegende Umstrukturierung unseres Energiesystems, fort von nuklearer und fossilen, hin zu erneuerbaren Energien", so Weiger weiter.

Der World Wide Fund For Nature (WWF) fordert eine Begrenzung des menschengemachten Klimawandels und ruft zudem auch zum schnellen Handeln auf: „Der Bericht bestätigt, dass die Energiewende in Deutschland der absolut richtige Weg in eine klimafreundliche Zukunft ist. Wir fordern die neue Bundesregierung auf, die Energiewende energisch voranzutreiben und die Beschlüsse in einem Klimaschutz- und Energiewenderahmengesetz verbindlich zu verankern. Auf internationaler Ebene gilt es, zu einer Klimaschutzpolitik zurückzukehren, die ihren Namen verdient“, fordert Eberhard Brandes, der Vorstand des WWF Deutschland.

Greenpeace betont, dass der fünfte Sachstandsbericht des IPCC in seinen Aussagen konservativ und in seinem Tonfall besonders vorsichtig sei. Zu der Zwei-Grad-Obergrenze heißt es bei Greenpeace: „Eine gefährliche Erwärmung um zwei Grad Celsius noch zu verhindern ist eine enorme Herausforderung, nicht einfach, aber es ist sowohl technisch als auch wirtschaftlich möglich.“ Aus den Ergebnissen der Wissenschaftler ergebe sich ein Handlungsauftrag für die Politik, meint die Umweltschutz-Organisation.

Weitere Informationen zum Thema Klimawandel & Klimaschutz:

Neuer IPCC-Klimabericht: Aktuelle Pläne reichen für 2-Grad-Ziel nicht


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