21.11.2013, 11:27 Uhr

Offshore-Industrie fordert stabile politische Rahmenbedingungen für Ausbau bis 2020

Frankfurt / Brüssel – Die internationale Offshore-Windenergie-Branche benötigt für das selbstgesteckte Ausbauziel von 40 Gigawatt (GW) bis zum Jahr 2020 ein Kapitalvolumen zwischen 90 und 123 Milliarden Euro. Es ist nach Angaben der European Wind Energy Association (EWEA) durchaus realistisch, diese Investitionssumme zu generieren, allerdings ist die Investitionsbereitschaft der Industrie stark abhängig von politischen Rahmenbedingungen.

Zum Abschluss der Branchenmesse EWEA Offshore 2013 in Frankfurt richteten die Branche und ihre Verbände daher deutliche Worte an die Politik. Die Politik zeige sich aktuell nicht beständig in ihren Aussagen zu den geplanten gesetzlichen Ausbauzielen. Dies schrecke Investoren ab.

Becker: Regierungen untergraben die Investitionssicherheit

Thomas Becker, Geschäftsführer des EWEA, kritisiert im Rahmen der EWEA Offshore 2013 die Politik: "Die Regierungen untergraben die Investitionssicherheit und setzen damit das Wachstum im Umweltsektor, Arbeitsplätze und die Zukunft einer weltweit führenden europäischen Branche aufs Spiel". Stattdessen fordert er sowohl auf Bundes- als auch auf EU-Ebene langfristig stabile Vereinbarungen: "Stabile Rahmenbedingungen auf Landesebene und eine bindende EU-Vorgabe für erneuerbare Energien bis 2030 sind das richtige Startsignal für Investoren und sorgen dafür, dass der Aufwärtstrend der Branche fortgesetzt wird".

Einigkeit zwischen Verbänden, Forschung und Industrie

Die Stiftung Offshore-Windenergie sowie VDMA Power Systems schließen sich diesen Forderungen an. Am Mittwoch schloss sich Thorsten Herdan, Vizepräsident und Geschäftsführer des letztgenannten Verbandes, auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Messe Thomas Becker an. Die Forderungen erhalten durch eine neue Studie des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Systemtechnik (IWES) an Gewicht. Die Studie belegt die energiewirtschaftliche Bedeutung der Offshore-Windenergie. Im künftigen Energiesystem, das die Erneuerbaren als Grundpfeiler betrachtet, sei die Offshore-Windenergie aufgrund hoher Betriebsstunden ein Garant für die Versorgungssicherheit mit Strom. Sie könnte ähnlich hohe Leistungen wie konventionelle Kraftwerke liefern und damit verlässliche Regelleistung zur Verfügung stellen. Neben anderen fluktuierenden erneuerbaren Energien leistete sie so einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Stromsystems.

Volkswirtschaftliche Bedeutung: 18.000 Arbeitsplätze und Milliardenumsatz

Zudem hätte die Offshore-Windenergie eine nicht zu unterschätzende volkswirtschaftliche Bedeutung: Rund 18.000 Arbeitsplätze und ein Umsatz von etwa sechs Milliarden Euro hat die Offshore-Industrie bisher auf der Haben-Seite. Nun allerdings stehe die Branche vor leeren Auftragsbüchern, weil mögliche Investoren ihre Entscheidungen derzeit aussetzen. Die Forderung der Verbände lautet daher konkret: Die EEG-Vergütung sollte Betreibern von Offshore-Windparks zeitgleich mit einer verbindlichen Zuweisung der Anbindungskapazität zugesichert werden. So könnten Investoren langfristig einschätzen, welche Einnahmen in Relation zu den Kosten auf sie zukommen.

Die Messe EWEA Offshore 2013 findet vom 19. bis 21. November in Frankfurt statt. Sie wird vom europäischen Windenergieverband EWEA organisiert und ist die größte Veranstaltung dieser Art.

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