14.01.2014, 15:55 Uhr

Prokon in Turbulenzen – wie die Anleger jetzt reagieren

Münster / Itzehoe – Seit dem vergangenen Wochenende droht den Anlegern von Prokon-Genussrechten vielleicht Ungemach. Eine mögliche Pleite des Windpark-Projektierers Prokon vor Augen, beschäftigt dies Investoren und Medien. Wie verhalten sich die Anleger und wer würde von einer Prokon-Insolvenz profitieren?

Das Unternehmen mit seinen 1.300 Mitarbeitern aus Itzehoe, das vor allem Windparks plant, baut und betreibt, hat sich in einem Rundschreiben an seine Genussrechts-Inhaber gewendet und diese darin aufgefordert, die Genussrechte nicht zu kündigen. Diese Entscheidung sei notwendig, um eine Planinsolvenz zu vermeiden.

Genussrechts-Inhaber sollen sich bis zum 20. Januar erklären

Die Schuld an der aktuellen Situation weist Prokon u.a. den Medien zu, die dazu beigetragen hätten, dass eine Negativspirale in Gang gesetzt wurde und immer mehr Anleger ihr Genussrecht kündigen wollten. Um eine Planinsolvenz zu verhindern, müssten bis zum 20. Januar 2014 insgesamt 95 Prozent der über 75.000 Genussrechtsinhaber erklären, dass sie ihr Kapital dem Unternehmen mindestens bis zum 31.10.2014 nicht entziehen werden, so Prokon. Der Aufruf hat ein heftiges mediales Echo ausgelöst. Auf die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wirkt der Aufruf des Unternehmens wie eine Erpressung.

Vorwürfe von Verbraucherschützern – Prokon veröffentlicht aktuellen Stand auf der Webseite

Einer der Hauptvorwürfe gegen Prokon lautet Intransparenz und einige Kritiker knüpfen dies an ein fehlendes Testat von Wirtschaftsprüfern. Das Unternehmen soll zudem den Eindruck erweckt haben, dass es sich bei den Geschäften um eine sichere Geldanlage handelt. Andere Kritiker werfen dem Unternehmen vor, das Geschäftsmodell sei mit einem Schneeballgeschäft vergleichbar. Auch das Finanzierungsinstrument der Genussrechte als Ganzes steht in der Kritik. Laut Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK) handelt es sich dagegen nicht um ein klassisches Schneeballsystem. Sachwerte wie die Windparks sind vorhanden. Prokon hat nach eigenen Angaben aktuell 314 Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt 526 Megawatt (MW) am Netz.

Prokon hat mittlerweile reagiert und aktualisiert auf seiner Webseite den aktuellen Stand zu Kündigungen, zurückgenommenen Kündigungen, Einzahlungen, zum Stand der Genussrechtsinhaber und zum Genussrechtskapital.

Was sind Genussrechte und wie riskant sind diese?

Prokon beschafft sich das Kapital für die Errichtung von Windparks nicht von Banken, sondern finanziert den Windparkbau durch die Ausgabe von Genussrechten. Dabei handelt es sich grundsätzlich um eine mit Risiken behaftete Anlageform für Investoren, die vom Risikoprofil zwischen Aktien und Anleihen liegt. Bei Genussrechten ist ein Totalverlust möglich, ein Stimmrecht besteht für die Anleger normalerweise nicht. Das Risiko wird in der Regel mit einer attraktiven Verzinsung belohnt. Auch bei Prokon wurden sechs Prozent garantiert. Hinzu kam ein max. Bonus von zwei Prozent. Prokon ist zwar ein bekanntes, aber bei weitem nicht das einzige Unternehmen, das auf dieses legale Finanzierungsinstrument zurückgreift. Während diese Form der Finanzierung früher gerne von Banken genutzt wurde, kommen die Genussrechte heute u.a. noch in der Transportbranche oder in der Immobilienwirtschaft zum Einsatz.

Wer von einer Prokon-Insolvenz profitieren würde

Die Prokon-Anleger befinden sich in einem Dilemma. Ziehen viele ihr Geld auf einen Schlag ab, kommt es zu Notverkäufen von Windparks zu ungünstigen Preisen oder sogar zur Insolvenz. Ähnliches ist während der Finanzkrise beispielsweise mit offenen Immobilienfonds passiert, als viele Anleger schnell ihr Geld aus Fonds abziehen wollten. Im Falle einer Prokon-Insolvenz würden viele verlieren und nur wenige gewinnen. Das Unternehmen bzw. die verschiedenen Windparks würden voraussichtlich verkauft, eine Vielzahl der Windparks könnte aber vermutlich nur unter Wert verkauft werden. Lediglich für die Aufkäufer dürfte das ein lukratives Geschäft sein, die so ihr Portfolio zu günstigen Einkaufskonditionen aufstocken könnten.

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