15.10.2014, 14:23 Uhr

Was der Desertec-Rückschlag für solarthermische Kraftwerke bedeutet

Köln – Die Desertec-Idee, nach der in großem Stil regenerativer Strom in sonnenreichen Wüstenregionen der Welt erzeug wird, hat mit dem Zusammenbruch der Dii GmbH einen herben Rückschlag erlitten. Ganz tot ist die Idee nach Meinung einiger Experten aber nicht: So sieht es auch der DLR-Experte für solarthermische Kraftwerke, Prof. Robert Pitz-Paal.

Pitz-Paal ist Direktor im Institut für Solarforschung des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. In einem aktuellen Interview erläutert er, wie sich die Idee, Strom mit solarthermischen Kraftwerken in sonnenreichen Regionen zu generieren, aus seiner Sicht weiterentwickeln wird.

Dii-Entwickung nicht das Ende der Wüstenstrom-Idee

Pitz-Paal geht davon aus, dass die Wandlung der Dii GmbH zu einer kleinen Beraterfirma nicht das Ende der Vision bedeutet, Strom mit solarthermischen Kraftwerken in der Wüste zu generieren. Der Markt für solarthermische Kraftwerke hänge kurzfristig vor allem davon ab, ob die Wüstenstaaten bei der eigenen Energieversorgung in Zukunft auf Sonne und Wind setzen. Und dabei seien die Entwicklungen zum Teil sehr ermutigend. So sei Marokko mitten in der Umsetzung eines Solarplans mit dem Ziel, Solarkraftwerke mit einer Kapazität von 2.000 Megawatt (MW) zu bauen. 500 MW sind laut Pitz-Paal bereits im Bau beziehungsweise ausgeschrieben. Diese Anlagen werden mit thermischen Speichern ausgerüstet sein und können damit die Spitzenlast in den Abendstunden decken, die derzeit noch mit teuren Ölimporten abgesichert wird, so der Solarexperte. Auch Saudi-Arabien, selbst großer Ölexporteuer, habe verstanden, dass es seinen eigenen Bedarf an Strom in Zukunft lieber mit Sonne und Wind deckt und bereite Ausschreibungen vor.

Konkrete Projekte werden ausgeschrieben

Die aktuelle Entwicklung bei der Dii Gmbh hat nach Einschätzung des DLR-Direktors auch keine Auswirkungen auf den konkreten Bau von Solarkraftwerken in Nordafrika und dem Mittleren Osten. Die Dii habe laut Pitz-Paal zwar in den vergangenen fünf Jahren wichtige Kontakte geknüpft und für einige Länder Strategien für die Energieversorgung ausgearbeitet. Die Industrievereinigung habe aber selbst weder Projekte entwickelt noch finanziert. Dies hätten in der Zwischenzeit Staaten wie Algerien, Saudi-Arabien und Marokko getan und solare Kraftwerksprojekte ausgeschrieben. Anbieter der Kraftwerkstechnologie sind daher weiter aktiv dabei und konkurrieren um diese Aufträge, so Pitz-Paal.

Solarthermische Kraftwerken als sinnvolle Ergänzung

Die Frage, ob Europa den Strom aus Solarkraftwerken in Nordafrika überhaupt noch benötigt, ist aus Sicht des Solarforschers noch nicht abschließend beantwortet. Es werde immer Zeiten geben, in denen die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Dann sei der Import von erneuerbaren Energien aus solarthermischen Kraftwerken, die mit ihren Speichern rund um die Uhr Strom produzieren können, als Ergänzung zu bislang noch sehr teuren Stromspeichern eine wichtige Option.

Nachfrage aus dem Sonnengürtel der Erde

Zudem geht Pitz-Paal davon aus, dass sich auch ein Markt für die solarthermischen Kraftwerke entwickeln werde. Inbesondere dann, wenn Strom aus Solarkraftwerken durch die Weiterentwicklung der Technik mittelfristig deutlich günstiger wird. Pitz-Paal geht davon aus, dass solarthermische Kraftwerke vor allem im Sonnengürtel der Erde gefragt sein werden. In vielen dieser Regionen wachse der Energiebedarf aufgrund der Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung rapide an. Im Mix mit anderen erneuerbaren Energien wie Windkraft und Photovoltaik lasse sich mit Solarkraftwerken mit thermischen Energiespeichern ein hohes Maß an Versorgungsicherheit erzielen.


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