12.11.2014, 10:53 Uhr

Deutschland will Ressourcen-Effizienz-Weltmeister werden

Berlin – Nach dem Willen des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes soll Deutschland die ressourceneffizienteste Volkswirtschaft der Welt werden. Weltweit müsse nach Ansicht von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) beim Rohstoffeinsatz allerdings „radikal gegengesteuert“ werden.

Im Rahmen der Konferenz „Europäisches Ressourcen Forum“ des Umweltbundesamtes (UBA) beraten Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Jede Produktion benötigt Ressourcen, doch bei den anhaltenden Wachstumszahlen kann dies nicht mehr lange gut gehen. In ihrer Auftaktrede zur Veranstaltung forderte Hendricks daher ein Umdenken. „Innerhalb der letzten 30 Jahre hat sich der Rohstoffeinsatz weltweit verdoppelt und Prognosen zufolge werden wir Mitte des Jahrhunderts drei Erden an natürlichen Ressourcen verbrauchen, wenn wir nicht radikal gegensteuern. Und das wir keine drei Erden haben, ist Jedermann bewusst.“

Wirtschaft als treibende Kraft

Ein wichtiger Treiber für mehr Ressourcenschonung ist die Wirtschaft. Denn mehr Ressourceneffizienz mindere nicht nur die Umweltbelastung, sondern stärke auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und schaffe neue Arbeitsplätze, heißt es in der Mitteilung des UBA. Anreize dazu seien genügend vorhanden, betonte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Im verarbeitenden Gewerbe entfallen schon heute rund 45 Prozent der Kosten auf Materialkosten, nur zwei Prozent auf Energie und unter 20 Prozent auf Personal. Wenn die Rohstoffpreise weiter in die Höhe schnellen, wird dieser Anteil steigen. Hersteller haben ein Interesse daran, Rohstoffe sparsam einzusetzen, anstatt Materialien teuer auf dem Weltmarkt einzukaufen.“

Das Ziel, nach dem Deutschland die ressourceneffizienteste Volkswirtschaft der Welt werden soll, stammt vom Umweltressorts bzw. von Umweltministerin Hendricks, wie IWR Online auf Nachfrage beim UBA erfahren hat. Dabei gebe es allerdings noch keine konkrete Zeitvorgabe. Das Ziel sei erstmals auf dem „Europäisches Ressourcen Forum“ verkündet worden.

Ressourcen- und Klimaschutz verbinden

Auch sollte das Thema Ressourcenschutz viel enger mit dem Thema Klimaschutz verbunden werden, da dort große Synergiepotenziale liegen, findet Krautzberger. Beispielsweise bei der energetischen Sanierung eines Gebäudes könnten gegenüber einem Neubau, etwa zwei Drittel an Baumaterial eingespart werden. Deutschland sei daher für den Klima- und den Ressourcenschutz gut beraten, seinen Gebäudestand energetisch zu sanieren und intensiver zu nutzen, anstatt neu zu bauen, betonte die UBA-Präsidentin.

Verbraucher können auch helfen

Die Verbraucher könnten ebenfalls ihren Teil dazu leisten die natürlichen Ressourcen zu schonen. Durch eine längere Nutzung, die Reparatur oder das recyceln von Verbrauchsgegenständen könnte schon ein großer Teil dazu beigetragen werden. Ministerin Hendricks verwies auch auf den „Blauen Engel“, das Umweltzeichen des Bundesumweltministeriums und Umweltbundesamtes für nachhaltige Produkte.

Ernst Ulrich von Weizsäcker, Co-Präsident Club of Rome betonte gegenüber der ARD: Wir haben ausgerechnet, im International Ressource Panel, dass für die Hochtechnologie-Metalle wie Indium, Gallium, die seltenen Erden usw., die Recyclingraten weltweit niedriger als ein Prozent sind. Das heißt 99 Prozent verschwinden im Müll nach Gebrauch. Das ist unglaublich.“

Laut UBA seien auch Mindeststandards für die Rohstoff- und Materialeffizienz von Produkten denkbar. Etwa könnte das material- und rohstoffeffizienteste Gerät einer Klasse zum Maßstab für alle Geräte genommen werden. Dies sei auf europäischer Ebene mit der Ökodesign-Richtlinie für elektrische Geräte bereits geschehen.

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