26.07.2013, 07:57 Uhr

Energie-Genossenschaften in Deutschland auf dem Vormarsch

Berlin – Die Bürger beteiligen sich in einem beträchtlichen Umfang an der Energiewende: 131.000 Genossenschafts-Mitglieder, davon 90 Prozent Privatpersonen, haben bereits rund 1,2 Milliarden Euro in Bürgerkraftwerke investiert - und es werden immer mehr.

Genossenschaften boomen

Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat die Zahl der Mitglieder von Energiegenossenschaften um mehr 67 Prozent zulgelegt, wie aus einer Umfrage des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands e.V. (DGRV) hervorgeht. Auch die Anzahl der Energiegenossenschaften wächst weiter: Allein im Jahr 2012 wurden bei den Mitgliedsverbänden des DGRV 150 Neugründungen gemeldet – ein Zuwachs von 30 Prozent.

Hoher Eigenkapitalanteil

Auffällig ist aus Sicht der Autoren, dass die Genossen ihre Projekte mit einem hohen Eigenkapitalanteil von rund 50 Prozent realisieren. „Die Bürger wollen eben mit eigenem Geld an der Energiewende mitwirken und dabei auch die regionale Wertschöpfung unterstützen. Und das ist kein Privileg der Wohlhabenden“, sagte DGRV-Chef Dr. Eckhard Ott laut Mitteilung. Beteiligungen an Energiegenossenschaften sind bereits mit Beträgen von weniger als 100 Euro möglich.

Strom für 160.000 Haushalte

Dabei haben die Genossen bereits eine signifikante Größe bei der Stromerzeugung erreicht: Sie kommen zusammen auf 580 Millionen Kilowattstunden, was dem Energiebedarf von 160.000 Haushalten entspricht. Der Fokus liegt dabei eindeutig auf Solarenergie. Dieser Trend soll sich forsetzen, denn jede zweite Genossenschaft plant für die kommenden zwölf Monate zusätzliche Investitionen in Solaranlagen. 41 Prozent wollen in Windenergie investieren.

Neue Vertriebswege gesucht

Neben der klassischen Vermarktung über die Einspeisung suchen die Vereinigungen nach neuen Absatzwegen. Die regionale Direktvermarktung gewinnt dabei an Bedeutung, 52 Prozent denken über ein solches Modell nach. Zum Umdenken zwingt aber auch eine Gesetzesänderung: Die bei Genossenschaften typischen mittelgroßen Solarstromanlagen erhalten ab Januar 2014 für ein Zehntel des erzeugten Stroms keine Einspeisevergütung mehr. Dieser Anteil lasse sich aber wegen der Preissenkungen der vergangenen Jahre selbst nutzen oder verkaufen, etwa im Rahmen Vertriebskooperationen mit lokalen Versorgern.


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