11.11.2013, 11:59 Uhr

Energiewende-Reform: Union und SPD sägen am Windenergie-Ausbau

Münster / Berlin - Die Arbeitsgruppe Energie von CDU/CSU und SPD hat im Rahmen der Koalitionsverhandlungen erste Ergebnisse in Sachen Energiewende erzielt. Dabei sollen insbesondere bei der Windenergie Ausbau-Ziele und Vergütungstarife gekappt werden. Auch die Biomasse ist Verlierer der geplanten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die bis Ostern in den Bundestag gebracht werden soll.

Wie verschiedene Medien unter Berufung auf eine dpa-Meldung berichten, sollen die Vergütungssätze für die Windenergie an Land kräftig reduziert werden. Zudem sei aus Verhandlungskreisen bekannt geworden, dass die Ziele für die Offshore-Windenergie gekürzt werden. Diese Nachrichten haben auch die Kurse der Windenergie-Aktien kräftig nach unten gedrückt.

Kürzungen bei Offshore-Zielen und Onshore-Tarifen

Die Ausbauziele für die Offshore- Windenergie sollen von bisher 10.000 Megawatt (MW) bis zum Jahr 2020 auf nun von 6.500 MW heruntergeschraubt werden. Das Ausbauziel 2030 wird um 10.000 MW nach unten korrigiert auf nunmehr 15.000 MW. Auch die Marktbedingungen für die Onshore-Windenergie werden geändert. So sollen künftig die Vergütungssätze im Norden und Nordosten zwar deutlich gekürzt werden, doch es ist auch geplant, dass bundesweit nur noch an „guten Standorten“ Anlagen errichtet werden sollen. Kritik zu den Plänen kommt von den Grünen. Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller und Günen-Parteichefin Simone Peter bemängeln, dass Windparks an den Standorten im Süden Deutschlands, wo auch der meiste Strom verbraucht werden, kaum noch eine Chance hätten.

EE-Ausbauziele 2030: SPD will 75, Union max. 55 Prozent

Durch eine Pflicht zur Direktvermarktung soll die Energiewende möglichst marktnah bewältigt werden, so CDU-Verhandlungsführer Peter Altmaier. Durch verbindliche Ausbauziele soll die Planungssicherheit für Investoren gewährleitet werden. Hierbei sind sich jedoch CDU/CSU und SPD nicht einig über die genaue Höhe des Ausbaus von erneuerbaren Energien. Die CDU/CSU zielt auf einen Anteil von 50-55 Prozent der regenerativen Energien im Strommix 2030 ab, die SPD hingegen auf einen Anteil von 75 Prozent. Auch eine Senkung der Stromsteuer ist umstritten, da die CDU dies klar ablehnt. Einigkeit herrscht jedoch darin, die Energieeffizienz weiter zu stärken. Auch über Ausnahmen für die Industrie bezüglich der EEG-Umlage herrscht noch Gesprächsbedarf. Dieses Thema soll in den nächsten Tagen behandelt werden. Beide Parteien sind sich jedoch einig, dass die große Anzahl der Ausnahmen die es zurzeit gibt, reduziert werden muss.

Weitere Kürzungspläne der Arbeitsgruppe Energie betreffen die Bioenergie. Um die Ausdehnung des Maisanbaus in Deutschland zu verhindern, soll die energetische Biomassenutzung eingeschränkt werden. Die Einspeisetarife bei der Photovoltaik (PV) hingegen würden zunächst nicht geändert. Die 52 Gigawatt-Ausbauschranke solle beibehalten werden. Des Weiteren konnten sich Union und SPD auf ein deutschlandweites Verbot des umstrittenen Frackings einigen. Dieses soll solange in Kraft bleiben, bis Fracking zur Erschließung von Erdgasquellen ohne den Einsatz umweltgefährdender Stoffe möglich ist.

Windenergieaktien im freien Fall

Die Aktien der Windenergiekonzerne reagieren empfindlich auf diese Nachrichten. Das Wertpapier des Windenergieanlagen-Herstellers Nordex verliert am Montagvormittag rund 17 Prozent auf 11,46 Euro (Stand 11:40 Uhr). Auch die Aktie des On- und Offshore-Projektierers PNE Wind verliert mehr als sechs Prozent auf 2,69 Euro (Stand 11:40 Uhr). Das Unternehmen hat heute vor Handelsbeginn allerdings auch die aktuellen Quartalszahlen veröffentlicht, die ebenfalls auf den Kurs einwirken.

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