11.09.2014, 08:09 Uhr

Geringere Ökostromumlage - sinken die Strompreise 2015?

Berlin - Der Bundesverband Erneuerbare Energien, BEE, und weitere Energieexperten gehen für 2015 von einer geringeren EEG-Umlage aus. Bleibt die Frage, ob die Stromversorger den Rückgang auch an die Verbraucher weitergeben und die Strompreise 2015 für die Stromkunden sinken. Für die Industrie sieht es ohnehin besser aus.

Die EEG-Umlage wird nach Berechnungen des BEE von aktuell 6,24 Cent auf voraussichtlich 6 Cent pro Kilowattstunde (kWh) Strom sinken. Dieser Rückgang erfolgt trotz einer um eine Milliarde Euro höheren Befreiung für die Industrie im Jahr 2014, die von den übrigen Stromverbrauchern zusätzlich getragen werden musste. Die 2014 beschlossene Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wirkt sich am Rückgang noch nicht aus.

BEE: gute Nachricht für Stromverbraucher

„Dass die EEG-Umlage erstmals seit ihrer Einführung im Jahr 2000 sinkt, ist eine gute Nachricht für die Stromkunden“, erklärte Harald Uphoff, stellvertretender BEE-Geschäftsführer und stellt klar: „Die Senkung hat aber nichts mit der EEG-Reform von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zu tun.“

Milliarden-Überschuss auf dem EEG-Umlagekonto

Die Anhebung der EEG-Umlage auf 6,24 Cent für 2014 sei etwas zu hoch gewesen, so der BEE. Dies habe dazu beigetragen, dass die Einnahmen auf dem EEG-Konto höher waren als die Ausgaben. Während im vergangenen Jahr der Kontostand im August noch unter ein Minus von 2 Mrd. Euro gesunken war, gibt es dieses Jahr im August einen EEG-Überschuss von 1,5 Mrd. Euro (IWR Online berichtete). Der BEE erwartet für den Kontostand am 30. September 2014 ein Plus von ca. 800 Mio. Euro, also einen leichten Rückgang gegenüber August, da noch nachgeholte Zahlungen zu erwarten seien. Abweichungen von diesen Annahmen können die EEG-Umlage um 0,11 Cent erhöhen oder senken.

BEE: EEG-Umlage bleibt bis 2017 stabil

„Auch wenn es noch kleine Restunsicherheiten gibt, ist klar: Die Zeiten deutlich steigender EEG-Umlagen sind vorbei“, so Uphoff. „Auch für die Jahre 2016 und 2017 rechnen wir mit einer stabilen Umlage. Erneuerbare Energien sind so günstig geworden, dass neue Anlagen das EEG-Konto kaum belasten.“ Der BEE hat bei seinen Berechnungen angenommen, dass die EEG-Umlage auf einen jährlichen Stromverbrauch von 365 Mrd. Kilowattstunden umgelegt werden kann. Der sogenannte nichtprivilegierte Letztverbrauch, auf den die volle EEG-Umlage gezahlt wird, liegt damit ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Die Auswirkungen der Befreiungen der stromintensiven Industrie wurden auch nach der EEG-Reform 2014 als konstant angesetzt.

Ausweitung der Industrie-Befreiungen verhindern deutlichere Senkung der EEG-Umlage

Im Jahr 2014 waren diese Industrie-Befreiungen gegenüber dem Vorjahr 2013 noch einmal deutlich ausgeweitet worden. Mussten 2013 rd. vier Milliarden Euro von den übrigen Stromverbrauchern für die EEG-Befreiung der Industrie zusätzlich bezahlt werden, ist dieser Betrag 2014 noch einmal um eine Milliarde auf fünf Milliarden Euro gestiegen. Mit anderen Worten: Wäre der Umfang der Industrie-Befreiungen im Jahr 2014 gegenüber 2013 unverändert geblieben, so wäre das Plus auf dem EEG-Umlagekonto deutlich höher ausgefallen.

Profitieren Verbraucher von sinkenden Börsen-Strompreisen und geringerer EEG-Umlage oder nur die Industrie?

Der Börsenstrompreis wird nach der BEE-Prognose von durchschnittlich 3,2 Cent/kWh in diesem Jahr auf 3 Cent im Jahr 2015 sinken. 2013 hatte er noch bei 3,8 Cent gelegen, 2008 noch bei rund 7 Cent. Von den stark gesunkenen Strompreisen profitieren die Industrie und die Großabnehmer, die zusätzlich auch noch von der EEG-Umlage befreit sind. Ein sinkender Börsenstrompreis erhöht aber die EEG-Umlage, weil mit der EEG-Umlage die Differenz zwischen Börsenpreis und Vergütungen für die Erzeuger von Ökostrom abgedeckt wird. Bisher haben die Stromversorger vor allem die steigende EEG-Umlage an die Stromkunden weitergegeben, die niedrigen Einkaufspreise aber nicht.

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