21.03.2012, 14:05 Uhr

Strom: Verbraucher subventionieren Energieversorger

Münster – Während die Verbraucher immer höhere Strompreise zahlen sollen, sinken die Preise für Börsenstrom deutlich. Vor allem die Händler der Energieversorger profitieren von den niedrigen Einkaufspreisen an der Strombörse, können sie doch den Strom anschließend mit Gewinn weiter verkaufen. Auch die Industrie, die den Strom über die Börse kauft, profitiert von der Entwicklung. Ursache für die sinkenden Strompreise an der Börse ist ausgerechnet der steigende Anteil erneuerbarer Energien. Der Strom aus Wind- und Solarenergie erhöht das Angebot und lässt die Preise purzeln. Die niedrigen Verkaufserlöse für den Ökostrom aber führen dazu, dass die EEG-Umlagekosten und damit die Strompreise für die Haushalte bzw. den Verbraucher steigen. Die gesunkenen Börsen-Strompreise kommen dagegen beim Stromverbraucher nicht an.

Wie die EEG- Umlage wirklich funktioniert

Die Betreiber beispielsweise einer Solar- , Wind- oder Biogasanlage erhalten für den Strom, den sie an den Strom-Netzbetreiber verkaufen, einen Mindestpreis pro Kilowattstunde. Der Netzbetreiber, der den Ökostrom gekauft hat, verkauft diesen Strom gleich wieder an der Börse weiter. Der Stromkunde bzw. Verbraucher bezahlt die Differenz zwischen An- und Verkauf des Netzbetreibers als EE-Umlage (EEG = Erneuerbare Energien Gesetz). Beispiel: Für eine Kilowattstunde Solarstrom erhält ein Betreiber angenommen 19 cent. Diese Kilowattstunde Solarstrom wird über den Netzbetreiber an der Börse verkauft. Der Solarstrom darf auf Grund politischer Vorgaben an der Börse aber nicht als Ökostrom, sondern muss als grauer Strom wie Kohle- oder Atomstrom verkauft werden. Kann der Netzbetreiber den Beispiel-Solarstrom für 5 cent verkaufen, dann wird die Differenz – 14 cent – auf alle Verbraucher verteilt. Je höher der Verkaufserlös für den Solarstrom, umso niedriger sind die Differenzkosten bzw. die EEG-Umlage für den Verbraucher und umgekehrt.

Geschickter Schachzug: Wie die Stromkunden die Energieversorger subventionieren

Die steigende Menge an Ökostrom an den Börsen führt dazu, dass deutscher Strom an der Börse deutlich preiswerter ist als vor einem Jahr. Auch im Vergleich zu Strom in Frankreich oder der Schweiz im Jahr 2012 ist der Börsenstrom besonders billig. Umgekehrt: Ohne den Ökostrom wäre der deutsche Strom für die Händler und Stromeinkäufer der Stromversorger deutlich teurer. Die niedrigen Strompreise an der Börse führen aber zu höheren Differenzkosten und damit zu steigenden EEG-Umlagekosten für die Stromverbraucher. Weil die Energieversorger die gesunkenen Einkaufspreise offensichtlich aber nicht weitergeben, ist unter dem Strich für den Stromkunden nur die sichtbare Erhöhung der Strompreise wegen der gestiegenen EEG-Umlage wahrnehmbar. Ergebnis: Den „Schwarzen Peter“ haben die erneuerbaren Energien, wie die Stromversorger damit ihre zusätzlichen Gewinne erzielen, bleibt weitgehend verborgen.

Strompreise an der Börse stark gesunken

EEG-Umlage: Wie grüner Strom an der Börse zu grauem Billigstrom wird


© IWR, 2012