04.10.2013, 11:56 Uhr

Stromproduktion aus Photovoltaik und Windkraft geht zurück

Münster – Von den erneuerbaren Energien haben in Deutschland die Wind- und die Solarenergie in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres weniger zur Stromproduktion beigetragen als im Vergleichszeitraum 2012. Trotzdem droht eine weitere Anhebung der EEG-Umlage.

In den ersten drei Quartalen 2013 produzierten Windkraft und Solar 56,2 Milliarden Kilowattstunden (kWh), wie aus den Daten der Leipziger Energiebörse EEX hervorgeht. Dies entspricht einer Verringerung von 2,1 Prozent gegenüber 2012. Die Windkraft steuerte bisher vor allem wegen eines schwachen Jahresbeginns mit 29,9 Mrd. kWh 8,4 Prozent weniger bei. Bei der Photovoltaik ergibt sich ein umgekehrtes Bild: Hier stieg die Produktion in den ersten neun Monaten um 6,2 Prozent auf 26,2 Mrd. kWh.

Anders sah die Entwicklung im jetzt abgelaufenen Monat September aus. Die Windenergie leistete mit 3,4 Mrd. kWh einen Beitrag, der 12,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats 2012 lag. Die Solarproduktion in Höhe von 2,7 Mrd. kWh hingegen lag 9,04 Prozent niedriger als im September 2012.

Strompreise für Großabnehmer sinken trotzdem

Der Abwärtstrend bei den Strompreisen für die Großabnehmer und die Industrie hält derweil auch im September 2013 weiter an. Für Grundlaststrom mussten im abgelaufenen Monat im Mittel nur noch 4,17 Cent pro Kilowattstunde (kWh) bezahlt werden. Das ist ein Rückgang um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie aus den Spotmarkt-Daten der Strombörse hervorgeht.

Noch deutlicher fällt der Preisrückgang für die ersten neun Monate des laufenden Jahres aus. Von Januar bis September 2013 sinkt der mittlere Preis für Grundlaststrom auf 3,79 Cent pro kWh. Das ist im Vergleich zum selben Zeitraum des Jahres 2012 ein Rückgang um zwölf Prozent.

Knackpunkt Wälzungsmechanismus

Trotz dieser rückläufigen Entwicklung bei den Preisen für Großabnehmer und der geringeren Ökostromproduktion steigen die Stromkosten für die Verbraucher. Der Grund für diese Fehlentwicklung ist die von der Bundesregierung und auf Initiative der Energiewirtschaft im Jahr 2010 eingeführte Neuregelung des Wälzungsmechanismus zur Vermarktung von Strom nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Die neue Regelung sieht eine Abkehr von der physischen zur bilannziellen Wälzung vor. Im Ergebnis fallen die Strompreise an der Börse für die Großabnehmer immer tiefer, was gleichzeitig eine steigende EEG-Umlage bedeutet. Für das kommende Jahr gilt eine weitere Anhebung um rd. 15 Prozent als sicher, obwohl die Ökostromproduktion derzeit nahezu stagniert bzw. rückläufig ist.

„Ein Konstruktionsfehler im EEG-Vermarktungsmechanismus führt dazu, dass die erneuerbaren Energien die Großhandelspreise immer weiter senken, die Verbraucher den steigenden Vorteil für die Großabnehmer aber über einen stetig höheren Strompreis bezahlen“, sagte IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch. Der derzeit planwirtschaftlich ausgerichtete Wälzungsmechanismus für den EEG-Ökostrom ist danach Dreh- und Angelpunkt für zahlreiche Probleme auf dem Strommarkt, etwa für eine steigende EEG-Umlage selbst ohne weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien, die durchlaufenden Kohlekraftwerke oder die Rekord-Stromexporte.

Fehler im System: Sinkende Strompreise für Großabnehmer treiben Stromkosten für Verbraucher


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