27.03.2014, 14:39 Uhr

Von Aigner bis Obama: Fracking-Debatte läuft auf allen Ebenen

Münster – Fracking ist das offenbar Thema der Stunde. Nach Äußerungen von EU-Kommissar Günther Oettinger und Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner meldet sich nun auch US-Präsident Barack Obama zu Wort. Die Meinungen über die umstrittene Methode zur Gewinnung dieser alternativen Gas- und Ölvorkommen gehen jedoch deutlich auseinander.

Wie brisant das Thema Fracking ist, spiegelt die aktuelle Diskussion auf allen politischen Ebenen wider. Neben US-Präsident Obama, der das Thema bei seinem Besuch in Brüssel angesprochen hat, sowie Bundestagsabgeordneten aller Parteien wird sich der Angelegenheit auch auf kommunaler Ebene angenommen. So positionieren sich für das Münsterland der Oberbürgermeister der Stadt Münster sowie einige Landräte.

Kontroverse Fördermethode

Beim Fracking werden Öl- und Gasvorkommen im Boden dadurch erschlossen, dass ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck ins Erdreich gepumpt wird, um dort Gesteinsschichten aufzubrechen. In den USA wird diese Methode seit etwa Anfang der 2000er und deutlich verstärkt in den letzten Jahren eingesetzt. Mittlerweile sind die USA ein größerer Ölproduzent als Saudi-Arabien. Es bleibt allerdings fraglich, inwieweit das Land diese Stellung langfristig halten kann. Im Rahmen des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Brüssel forderte er die Europäer auf, ebenfalls auf das Fracking zu setzen. Ziel sei es, die Abhängigkeit von Russland als Gaslieferanten zu verringern.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) sieht es ähnlich. In einem Interview mit RP-Online sprach er dazu Deutschland direkt an und empfahl ein Demonstrationsprojekt. Als Grund gab er an, dass „Deutschland mit Fracking seine Importabhängigkeit auf Jahrzehnte verringern“ könne. Verschiedene Politiker der SPD und CDU stimmten Oettinger zu und warben ebenfalls für ein Pilotprojekt.

Fracking bald in Bayern?

Eine Erkundungslizenz in Bayern sorgte zudem für Aufsehen. Die Landtags-Grünen sehen in der Lizenz für das britische Energieunternehmen Rose Petroleum den Versuch, das Fracking zu fördern. In einer Pressemitteilung stellte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) jedoch klar, dass diese Lizenz nur die Suche nach Gas- und Ölvorkommen mittels Schallwellen erlaube.

Die genauen Risiken von Fracking sind dabei jedoch noch weitestgehend unklar. Nach einem Gutachten des Umweltbundesamtes können Gefährdungen für die Umwelt und die Belastung von Grundwasser durch die Fracking-Methode nicht ausgeschlossen werden. Es bedürfe jedoch weiterer Informationen für eine endgültige Analyse. In den USA gibt es bereits erste Meldungen über hochentzündliche Gase im Trinkwasser inerhlab von Fracking-Gebieten. Zudem sollen dort Häuser durch das Fracking geschädigt worden sein, da dort die Bohrungen immer näher an Siedlungen heranrücken.

Münsterländer Politiker wehren sich gegen Fracking-Vorstoß

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) und die Landräte der vier Münsterland-Kreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf warnen angesichts des Vorstoßes von Seiten einiger NRW-Landespolitiker der Fraktionen SPD, CDU und FDP vor vorschnellen Experimenten im Hinblick auf die Umsetzung der Fracking-Technologie. Der Einsatz einiger NRW-Landespolitiker für eine Fracking-Pilotanlage im Industriemaßstab in Nordrhein-Westfalen sei bei dem derzeitigen Stand nicht hilfreich. Es müsse am bestehenden Moratorium festgehalten werden, so die Verwaltungschefs des Münsterlandes.

Die Bundesregierung äußert sich bislang zurückhaltend zum Thema Fracking. Sie stuft die Fracking-Technologie in ihrem Koalitionsvertrag als Technologie mit erheblichem Risikopotenzial ein. Der Einsatz umwelttoxischer zur Aufsuchung und Gewinnung unkonventioneller Erdgaslagerstätten werde abgelehnt. Über Anträge auf Genehmigung könne erst dann entschieden werden, wenn die nötige Datengrundlage zur Bewertung vorhanden und zweifelsfrei geklärt sei, dass eine nachteilige Veränderung der Wasserbeschaffenheit nicht zu befürchten sei, so die Bundesregierung.

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