12.09.2013, 08:22 Uhr

Wirtschaft: Große Unzufriedenheit mit Energiepolitik, EEG-Reform gefordert

Münster – Die Energiewende hat in der Wirtschaft nicht viele Fans, wenn man dem entsprechenden Stimmungs-Index der Deutschen Energie-Agentur Glauben schenken darf. Die überwältigende Mehrheit der Befragten fordern nach der Bundestagswahl eine schnelle EEG-Reform und ein neues Marktdesign, doch die teure Umlagebefreiung von ausgewählten Industriebetrieben wollen viele nicht angehen.

Die Stimmung ist nicht wirklich gut in der Wirtschaft, wenn man auf die Energiewende zu sprechen kommt, was nicht nur an den steigenden Preisen liegt. Der Deutsche Energiewende-Index als Stimmungsbarometer jedenfalls ist im dritten Quartal nur um 0,2 auf 94,4 Punkte gestiegen. Ein Umschwung sieht anders aus. Interessant: Gegenüber dem Vorquartal hellte sich die Stimmung bei Politik, Meinungsführern und Verbänden deutlich auf. Auf der Skala liegt das Maximum bei 200 Punkten, 0 Punkte sind das theoretisch schlechteste Ergebnis.

Große Mehrheit für EEG-Reform

Ob dies mit der bevorstehenden Bundestagswahl zusammenhängt? In der Erhebung von Dena und der Wirtschaftsberatung Ernst & Young fragten die Autoren gezielt nach der Zufriedenheit mit den gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Hier gab es nur 32,9 Punkte – ein extrem schlechter Wert.

Von daher verwundert es nicht, dass rund 90 Prozent der befragten Unternehmen eine grundlegende Reform des EEG für notwendig halten. Wie sehr das Thema unter den Nägeln brennt, zeigt der Wert von 182,9, mit dem diese Frage einen absoluten Spitzenwert bei allen bisher gestellten Fragen im Rahmen der Erhebungen zum Deutschen Energiewende-Index aufweist. Auch bei der Schaffung eines neuen Marktdesigns (DEX: 162,6) und der Beschleunigung des Ausbaus der Verteilnetze durch stärkere Investitionsanreize (DEX: 151,5) sieht die überwiegende Mehrheit der wirtschaftlichen Akteure großen Handlungsbedarf.

EEG-Befreiung halten nicht alle für notwendig

Kontrovers wird das Thema der Privilegien für energieintensive Unternehmen (Reduzierung der Netzentgelte, Befreiung von der Stromsteuer, reduzierte EEG-Entgelte) bewertet. Während 60 Prozent der Energieverbraucher eine Abschaffung ablehnen, sind es bei den Netzbetreibern nur 18 Prozent. Immerhin kostet die Regelung alle Zahler der Umlage über vier Mrd. Euro. Bei dieser Frage besteht auch die größte Diskrepanz zwischen wirtschaftlichen Akteuren und Politikern/Meinungsführern. Während der DEX bei den wirtschaftlichen Akteuren mit 86,4 eine Beibehaltung der Privilegien für energieintensive Unternehmen signalisiert, sind die Meinungsführer und Befragten aus der Politik mit einem DEX von 119,2 eher für eine Abschaffung. Eine klare Tendenz ist bei dieser Frage jedoch insgesamt nicht zu erkennen.

Der Deutsche Energiewende-Index basiert auf einer Umfrage unter Akteuren und Betroffenen der Energiewende in Deutschland aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Er wird quartalsweise von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) und dem Prüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young GmbH herausgegeben. Im dritten Quartal 2013 nahmen rund 300 Unternehmen, Städte und Verbände an der Umfrage teil.


© IWR, 2013