14.03.2011, 10:22 Uhr

Japan erlebt nach dem Beben die Atomkatastrophe

Münster/Berlin/Tokio, Japan – Nach dem verheerenden Erdbeben mit dem darauffolgenden Tsunami am Freitag droht Japan eine atomare Katastrophe. Das Beben erreichte letzten Meldungen zufolge eine Stärke von 9,0 auf der Richterskala. Mittlerweile gehen die Behörden in Japan von min. 10.000 Toten aus, wobei derzeit nicht absehbar ist, wie viele Menschen tatsächlich in den von dem Tsunami zerstörten Küstenregionen noch unter den Trümmern begraben sind. Während auch aus Deutschland die internationale Hilfe anläuft und Rettungsteams nach Überlebenden suchen, wächst vor Ort die Angst vor einer atomaren Katastrophe.

So hatte sich im Atomkraftwerk Fukushima 1 bereits am Wochenende eine Explosion ereignet, die weite Teile des Reaktorgebäudes zerstört hat. Zuvor war die Kühlung des Reaktorkerns teilweise ausgefallen, so dass nach Angaben der japanischen Regierung eine Kernschmelze begonnen habe. Experten vor Ort versuchen noch immer den Reaktor zu kühlen und so die vollständige Kernschmelze zu verhindern. Mittlerweile hat sich auch im Reaktor 3 eine Explosion ereignet. Die Schutzhülle um den Reaktor sei aber auch hier noch intakt. In der Umgebung des AKWs Fukushima wurde bereits erhöhte Radioaktivität gemessen, die in den letzten Tagen in Wolken auf den Pazifik und in nördliche Regionen des Landes geweht wurde.

Atomdebatte: Erdbeben gibt es auch in Deutschland

Die Ereignisse in Japan haben in Deutschland zu einem Wiederauflammen der Atomdiskussion geführt. Im Blickpunkt steht dabei die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke. Bundeskanzlerin Merkel sagte dazu: "Sicherheit hat absoluten Vorrang. Dem muss sich alles unterordnen." Die deutschen Kraftwerke seien nach menschlichem Ermessen sicher. Opposition und Greenpeace forderten die sofortige Abschaltung der ältesten Atomkraftwerke und die Rücknahme der Laufzeitverlängerung.

Das deutsche Atomforum wies darauf hin, dass der Auslöser der Ereignisse in Japan eine Verkettung zweier Naturkatastrophen war. Dies sei in Deutschland nicht vorstellbar. Erdbeben sind jedoch auch in Deutschland jederzeit möglich. So bebte Weihnachten 2010 die Erde in Mainz mit einer Stärke von 3,5 auf der Richterskala. Im Jahr 1992 kam es zu tektonischen Bewegungen beim Erdbeben von Roermond mit einer Stärke von 5,9 und richtete damals in NRW und in den Niederlanden erhebliche Schäden an.