11.07.2013, 09:52 Uhr

AEE sieht Energiewende durch Braunkohle in Gefahr

Berlin – Diverse Studien prognostizieren trotz des steigenden Zubaus von erneuerbaren Energien eine weiterhin hohe Auslastung von Braunkohlekraftwerken in Deutschland. Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hat dies beim Vergleich mehrerer Studien festgestellt. Zudem kommen die einzelnen Institute demnach zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) sehen die Zahl der Volllaststunden von Braunkohlekraftwerken für 2023 in ihrem aktuellen Netzentwicklungsplan (NEP) 2013 bei rd. 7.400 Stunden pro Jahr. Der NEP ist Grundlage der Bundesnetzagentur (BNetzA) für die Erstellung konkreten des Plans zum Netzausbau in Deutschland.

17,6 GW Braunkohle-Strom in 2023

Die AEE weist daraufhin, dass die ÜNB bei Braunkohlekraftwerken für 2023 von einer installierten Leistung von 17,6 Gigawatt (GW) und einer Produktion von 129,4 Terawattstunden (TWh) Strom ausgehen. Dies entspreche 7.371 Volllaststunden (zum Vergleich: 2011 waren es rd. 6.000 Volllaststunden). Der Braunkohlestrom würde demnach einen Anteil von 7,6 Prozent an der gesamten Stromerzeugung in Deutschland erreichen und die konventionellen Energien insgesamt 40 Prozent. Damit werde dem Ziel der Bundesregierung, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf mindestens 35 Prozent zu erhöhen, mit einem prognostizierten Anteil von 60 Prozent in 2023 wahrscheinlich entsprochen. Allerdings kritisiert die AEE vor allem den hohen Anteil der Braunkohle an der zukünftigen Stromproduktion.

AEE: Braunkohle-Nutzung widerspricht Klimaschutzzielen

Philipp Vohrer, AEE-Geschäftsführer, erklärte hierzu: "Der erforderliche Netzausbau und die damit verbundenen Kosten könnten bis 2023 vermutlich geringer ausfallen, wenn das Übertragungsnetz neben der Stromeinspeisung aus Erneuerbaren Energien nicht noch zusätzlich eine quasi unverminderte Einspeisung des Kohlestroms ermöglichen müsste. Werden konventionelle Kraftwerke nicht vom Netz genommen, wenn Erneuerbare-Energien-Anlagen einen Großteil der Nachfrage decken, entstehen Stromüberschüsse, die zum Beispiel zu negativen Preisen ins Ausland exportiert werden müssen. Das ist energiewirtschaftlich unnötig und widerspricht eklatant den Klimaschutzzielen." Die ÜNB erwarten bspw. für 2023 in dem wahrscheinlichsten Szenario einen Stromexport von 87 TWh brutto (2012 waren es 66,6 TWh brutto, d.h. vor Abzug des Strom-Imports).

Akzeptanz für Netzausbau könnte schwinden

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht laut AEE Probleme für die Energiewende durch eine weiterhin hohe Nutzung von Braunkohle, bezüglich des CO2-Ausstoßes und des Abbaus der Kohle. Ein wichtiger Teil der Energiewende ist neben dem Ausbau der neuen Energien auch der Netzausbau in Deutschland, der der Bevölkerung aufgrund von Freiland-Stromtrassen vor allem Akzeptanz abverlangt. Laut aktuellem NEP werden in Deutschland rd. 4.000 Kilometer neue Stromleitungen benötigt, von denen allerdings nur ein Bruchteil neu gebaut wird, während ein Großteil alter Leitungen um- oder aufgerüstet werden soll. "Sobald der Verdacht besteht, dass der Netzausbau nicht mehr vorrangig der Energiewende dient, sondern stattdessen die klimaschädliche Kohleverstromung manifestiert, wird die Glaubwürdigkeit der Netzausbaupläne beschädigt und die Akzeptanz für neue Stromleitungen schwindet", so Philipp Vohrer.

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